Route

   

ČERNÁ POLE / SCHWARZE FELDER

28 OBJEKTE
LÄNGE 5,5 KM

 

Beginn der Route: třída Kpt. Jaroše 1921

První objekt: C301 Mietshaus

Endre Steiner, 1938

Öffentlicher Verkehr: Náměstí 28. října (TRAM 3, 5, 9)

Moravské náměstí (TRAM 3, 5, 9)

GPS: 49°12'1.856"N, 16°36'40.91"E

 

Objektverzeichnis

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Fotogalerie der Route

Route Černá Pole / Schwarze Felder

Černá Pole, die schwarzen Felder waren zur Zeit der Entstehung der Tschechoslowakei ein Ort, der seinem Namen gerecht wurde. Es handelte sich überwiegend um ein landwirtschaftliches Gebiet mit einem zusammenhängenden aus Wein- und Obstgärten bestehenden Streifen auf den Hängen über dem Tal des Ponawka-Baches, entlang der nach Norden führenden historischen Wege. Sie bildeten damals weder ein Stadtviertel noch eine eigene Gemeinde, sondern gehörten zu den benachbarten Katastralgebieten Zábrdovice (Obrowitz) und Cejl (Zeil). Schwarzfeld wurde anfangs auch die lokale Eisenbahnstrecke vom Brünner Bahnhof in das unweit gelegene Tišnov (Tischnowitz) genannt, die später als Tišnovka bezeichnet wurde. Obwohl man hier bereits ab den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts mit dem Bau von Wohnhäusern begann, wurde Černá Pole erst hundert Jahre später zu einem eigenen Katastralgebiet.


Die ältesten Bautätigkeiten konzentrierten sich vor allem auf das attraktive Gebiet auf dem Hang über dem Park Lužánky (Augarten), wo die erste Brünner Villenkolonie entstand. An ihrem Rand wurden repräsentative Bürger- und Zinshäuser erbaut – in unmittelbarer Nähe des Augartens entlang eines neu angelegten Boulevards (der heutigen Straße třída Kpt. Jaroše) und um den ehemaligen Hutter-Teich (an der Stelle des heutigen Platzes náměstí 28. října).


Etwas weiter entfernt davon wurden auf den Kuppen der Schwarzfelder Hänge schrittweise mehrere medizinische und soziale Einrichtungen erbaut, wie zum Beispiel die Landes-Blindenanstalt (an der Stelle der heutigen Mendel-Universität für Land- und Forstwirtschaft), das Blindenheim oder das Kinderkrankenhaus (an denselben Orten wie heute). Einen wichtigen Bestandteil der baulichen Entwicklung bildeten auch die Objekte der Ziegeleien, die sich sowohl im nördlichen als auch im südlichen Teil der Schwarzen Felder befanden. Am Beginn des 20. Jahrhunderts wuchs dann in der Nähe des ehemaligen Obrowitzer Friedhofs ein wirkliches Wohnviertel, das aus Reihen von Ziegel-Einfamilienhäusern für Arbeiter und Handwerker bestand. Der Friedhof wurde im Jahre 1907 in eine der ersten Gartenkolonien Europas umgewandelt, in Schrebergärten, benannt nach dem deutschen Arzt Moritz Schreber, der sich für den Aufenthalt von Erwachsenen und vor allem von Kindern an der frischen Luft stark machte. Darin wurden Gartenhäuschen und Kleingärten sowie Kinderspielplätze untergebracht. Durch ihre Lage an einem der historischen Wege in die benachbarte Gemeinde Soběšice/Sobieschitz (an der heutigen Lesnická-Straße) wurden die Schrebergärten zum Zentrum eines sich langsam entwickelnden neuen Viertels. Heute befindet sich an ihrer Stelle ein Park.


Nach der Angliederung der anliegenden Gemeinden an das sogenannte Großbrünn im Jahre 1919 wurde der ursprünglich unbebaute landwirtschaftliche Boden der Schwarzen Felder baulich wesentlich intensiver genutzt. Zunächst wurden Einfamilienhäuser, Villen und kleine Mietshäuser nordöstlich des Zentrums in der Nähe der Brünn-Tischnowitzer Eisenbahnstrecke gebaut. Dieser abgelegene Teil des heutigen Černá Pole verwandelte sich in den 20er Jahren in ein unabhängiges Wohnviertel, das nach einem der Gründer der Tschechoslowakischen Republik Štefánikova čtvrť (Stefánik-Viertel) genannt wurde (heute wird so ein wesentlich größeres Gebiet bezeichnet, das ursprünglich durch die Eisenbahn abgeschnitten war). Der Eisenbahndamm, der Černá Pole von Osten nach Norden säumte, bewirkte, dass sich das Straßennetz dieses Gebietes völlig selbständig, unabhängig von der Einteilung der Straßen des Stadtteils Husovice (Hussowitz) entwickelte. Eine Verbindung zum benachbarten Viertel ermöglichten lediglich eine Fußgängerunterführung an der Nová-Straße (der späteren Venhudová-Straße) sowie eine im südlichen Teil gelegene Unterführung in der von der Cejl-Straße kommenden Vranovská-Straße.


In der zweiten Hälfte der 20er Jahre kam es zu einer Erweiterung des örtlichen Straßennetzes, sodass Černá Pole nun in Ost-West-Richtung durchfahren werden konnte (an der Stelle der heutigen Verkehrsader Drobného – Provazníkova – Merhautova). Durch eine schrittweise Bebauung zu beiden Seiten der neuen Verkehrswege wuchs der eigentliche Kern Černá Poles, also der Platz in der Umgebung der Schrebergärten, mit dem nördlich gelegenen Štefánik-Viertel zusammen. Die Einfamilienhäuser, die in diesem Stadtteil überwogen, wurden vom Areal einer Reiterkaserne ergänzt, die als einer der wenigen militärischen Komplexe bis heute in ihrer ursprünglichen Größe erhalten geblieben ist (an den heutigen Straßen třída Generála Píky und Provazníkova). In Zusammenhang mit der Weltwirtschaftskrise entstand Ende der 20er, Anfang der 30er Jahre in Černá Pole auch eine der Brünner Not-Kolonien (an der Stelle der heutigen Janouškova-Straße), die als Nový hřbitov (Neuer Friedhof), Krchov oder Farma (Farm) bezeichnet wurde. Es handelte sich dabei um provisorischen Wohnraum, der mithilfe von Mitteln der Stadt für die ärmsten Gesellschaftsschichten gebaut wurde. Die Wohngebäude, in denen überwiegend Arbeiter lebten und die oft eigenhändig mithilfe von Steinen, Ziegelhälften und unterschiedlichem anderem Material (häufig Bau-Abfällen) vergrößert wurden, bestanden aus niedrigen eingezäunten Holzbaracken mit Minimalwohnungen. Die Bemühungen um eine Lösung des Problems der Wohnungsnot brachte in den 30er Jahren die Bauherren dazu, ihre Aufmerksamkeit überwiegend auf Mietwohnungen oder Objekte mit Sozialwohnungen zu richten. Zu dieser Zeit wurde vor allem südlich der Schrebergärten gebaut, in der Umgebung der historischen Trassen, die die wichtigsten urbanistischen Achsen des Viertels bildeten, also in den Straßen Bednářská (der heutigen Jugoslavská-Straße), Černopolní und der Querstraße Merhautova.


Trotz der verhältnismäßig intensiven urbanistischen und baulichen Entwicklung fehlte Černá Pole weiterhin eine direkte Anbindung an den historischen Stadtkern. Die wichtigste Verbindung mit dem Zentrum führte über die südlich gelegene Francouzská-Straße, also durch das Stadtviertel Cejl (Zeil). Bereits im Laufe der 30er Jahre erwog man einen möglichen Abriss eines Teils der ursprünglichen Bebauung und den Bau eines neuen Teils der Straße, die die Merhautova-Straße mit der heutigen Milady Horákové-Straße verbinden würde. Zur Umsetzung dieses Vorhabens kam es jedoch erst im Jahre 1940, als auch eine neue Straßenbahnlinie hierher gebaut wurde. Bis zu diesem Zeitpunkt war Černá Pole nur mit einer Straßenbahn erreichbar, die vom Zentrum über die heutige Straße třída Kpt. Jaroše bis zur Endstation am Rand des Parks Lužánky (Augartens) führte, und ab 1930 auch mit der ältesten Autobuslinie, die mit der Bezeichnung A vom heutigen Moravské náměstí (Mährischen Platz) über die Černopolní-Straße bis zur damaligen Landwirtschaftlichen Hochschule führte und später bis ins Stefánik-Viertel verlängert wurde.


Völlig neu entwickelte sich Černá Pole nach dem zweiten Weltkrieg. Nach dem Abriss der alten Eisenbahnstrecke nach Tišnov (Tischnowitz) kam es zu einer Erweiterung des Straßennetzes und einer Verbindung mit den anliegenden Stadtteilen.