Route

Beginn der Route: Stará 104

První objekt: C331 Mietshaus mit Geschäften

Ernst Wiesner, 1933

Öffentlicher Verkehr: Körnerova (TRAM 2, 4, 11)

Nám. 28. října (TRAM 3, 5, 9)

GPS: 49°11'59.495"N, 16°37'2.829"E

 

Objektverzeichnis

Audio-Aufnahme

MP3 herunterladen
Neueste Version des Flash Players herunterladen

Fotogalerie der Route

Route Osten

Das überwiegend aus Industrie-Arealen bestehende Gebiet östlich des Stadtzentrums entwickelte sich nach und nach aus mittelalterlicher Vorstadtsiedlungen. Die heutigen Straßen Cejl und Radlas waren ebenso wie die Katastralgebiete Zábrdovice (Obrowitz) und Husovice (Hussowitz) ursprünglich eigenständige Dörfer, die in der Umgebung der historischen Wege und der Wasserläufe lagen. Der Ponawka-Bach und der Fluss Svitava (Zwittawa) flossen ebenso wie der im Mittelalter angelegte Zwittawa-Mühlbach unweit der befestigten Stadt Brünn in Nord-Süd-Richtung und boten den nahe gelegenen Gemeinden günstige Bedingungen für die Entfaltung der Landwirtschaft und ab der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts auch für die industrielle Produktion.


Die ersten Brünner Manufakturen und Fabriken knüpften an die örtliche Tradition des Tuchmachergewerbes an und so entwickelten sich hier überwiegend die Textilproduktion und damit zusammenhängende Betriebsstätten. In Zábrdovice (Obrowitz) und Cejl (Zeil) wurden Tuchfabriken gegründet, in Radlas und in Husovice (Hussowitz) entstanden sogenannte Walkereien, die die Stoffe verarbeiteten und reinigten. Die Unternehmen vergrößerten sich sehr schnell und es dauerte nicht lange, bis auch andere Gesellschaften hier ihren Betrieb aufnahmen. In Zábrdovice wurden feine Stoffe hergestellt und Garn verarbeitet, in Husovice arbeiteten zunächst kleinere Betriebe wie Spiritusbrennereien und Färberein, in Cejl hatte eine Tabakgesellschaft ihren Sitz und in Radlas wurden im Laufe des 19. Jahrhunderts ein städtisches Gaswerk und schließlich auch ein Kraftwerk errichtet.


Die industrielle Produktion brachte ein Anwachsen der Einwohnerzahl mit sich. Die Bebauung der Vorstadtgemeinden umfasste überwiegend aus einstöckigen Gebäuden bestehende Arbeitersiedlungen und mehrstöckige Pawlatschen-Mietshäuser. Im Jahre 1850 wurden Cejl, Radlas und Zábrdovice Bestandteil der Stadt Brünn, und die dortigen Bautätigkeiten, die sich bis zu diesem Zeitpunkt überwiegend auf die unmittelbare Umgebung der Hauptwege beschränkt hatten, begannen sich nun auf ein entstehendes Netz von Nebenstraßen auszuweiten. Die hiesige städtebauliche Entwicklung wurde jedoch durch zwei neu gebaute Eisenbahnstrecken stark eingeschränkt. In der Mitte des 19. Jahrhunderts schnitt die Strecke von Brünn nach Česká Třebová (Böhmisch Trübau) den südlichen Teil der Radlasgasse ab, und die Brünn-Tischnowitzer Bahn, die mehrere Jahre später in Betrieb genommen wurde, schloss Husovice zwischen der Eisenbahnstrecke und dem Svitawa-Ufer ein. Zábrdovice wurde sogar von beiden Trassen durchschnitten, sodass es in mehrere sich eigenständig entwickelnde urbanistische Gebiete geteilt wurde.


Kurz nach der Entstehung der Tschechoslowakei im Jahre 1918 wurde auch Husovice an das sogenannte Velké Brno (Großbrünn) angegliedert. Hier entwickelte sich die Bebauung vor allem in Richtung Süden (entlang der heutigen Straßen Vranovská und Jana Svobody), damit der neue Stadtteil wenigstens zum Teil den Eisenbahndamm überwinden und mit der städtischen Struktur Brünns zusammenwachsen konnte. Auch in der Zwischenkriegszeit entwickelte sich im östlichen Teil der Stadt die Industrie weiter. Die bestehenden Fabrikanlagen wurden ständig erweitert und modernisiert, doch entstanden auch neue. Am linken Ufer des Flusses Svitava, in der Nähe des ehemaligen Obrowitzer Klosters wurde in den 20er Jahren das Areal der Brünner Waffenfabrik ausgebaut, die außer Waffen auch Automobile, Telefonapparate, Schreibmaschinen und weitere Produkte herstellte. Anfang der 30er Jahre wurde südlich der Cejl-Straße (an der heutigen Špitálka-Straße) der weitläufige Komplex des Brünner Wärmekraftwerkes errichtet, das in Zusammenarbeit mit dem Nordmährischen Kraftwerk zu einem einmaligen Betrieb in der Tschechoslowakei wurde, der die Produktion von elektrischer und Wärmeenergie kombinierte.


Durch die Arbeitsmöglichkeiten in den Industriegebieten Brünns erhöhte sich ständig die Einwohnerzahl der Stadt. In den ersten Nachkriegsjahren verfügte die Stadt jedoch nicht über ausreichenden angemessenen Wohnraum. Abänderungen des Baugesetzes, die im Laufe der 20er und 30er Jahre vorgenommen wurden, halfen die Folgen der wachsenden Wohnungskrise einzudämmen. Dank dieser Novellen konnten private Bauunternehmer und -genossenschaften beim Bau von Wohnhäusern staatliche Förderungen oder einen Steuernachlass erhalten, was auch im Osten Brünns wesentlich zu einer Entfaltung der Bautätigkeiten beitrug. In der Nähe des Stadtzentrums wuchsen zwischen den bereits existierenden Gebäuden vor allem einzelne Mietshäuser, in denen der Wohnraum mit geschäftlichem oder administrativem Betrieb kombiniert wurde (beispielsweise in der Cejl-Straße und ihrer Umgebung). Die bisher unbebauten Gebiete boten hingegen Raum für ganze Wohnkomplexe, die auf neu abgesteckten Parzellen in Husovice entlang des Svitava-Ufers und in Zábrdovice zwischen den Straßen Vranovská und Jana Svobody gebaut wurden. In den 30er Jahren wurden diese Örtlichkeiten vor allem in Folge der Weltwirtschaftskrise durch Sozialbauten mit Kleinwohnungen ergänzt.


Die neuen Wohnviertel Husovice und Zábrdovice wurden auch durch mehrere öffentliche Gebäude ergänzt, die angesichts der wachsenden Population Brünns zu den architektonischen Hauptaufgaben der Zwischenkriegszeit gehörten. Südlich vom ehemaligen Obrowitzer Kloster, in der Kuldova-Straße, wurde eine allgemeine Schule mit einer öffentlichen Bibliothek errichtet. In ihrer unmittelbaren Nachbarschaft entstand anstelle des älteren städtischen Schwimmbades das Areal eines öffentlichen Stadtbades, das für zahlreiche Bewohner des östlichen Teils Brünns eine Alternative zu den in hygienischer Hinsicht unzureichenden Sanitäranlagen älterer Wohnungen und Häuser darstellte.


Obwohl Zábrdovice durch eine elektrische Straßenbahn bereits seit dem Jahre 1900 mit dem Stadtzentrum verbunden war, kam es in den 20er Jahren zu einem starken Anwachsen der Straßenbahnlinien, die in die neu angegliederten Stadtteile führten, unter anderem auch in die östlich gelegenen Viertel Obřan (Obrźan) und Židenice (Schimitz). Deshalb wurde am Svitava-Ufer in Husovice ein neues Straßenbahn-Depot gebaut, dessen Zweck kurz nach dem Ende des zweiten Weltkrieges auf eine Garage für die ersten Brünner Oberleitungs-Busse ausgeweitet wurde.


Die urbanistische Gestalt des Ostens Brünns in den Nachkriegsjahren wurde von der Auflösung der Brno-Tišnover Eisenbahnstrecke in den 60er Jahren beeinflusst. Die bebauten Gebiete in Husovice und Zábrdovice konnten auf diese Weise mit den umliegenden Stadtteilen zusammenwachsen, insbesondere mit dem benachbarten Viertel Černá Pole (Schwarze Felder). Die neue Bebauung breitete sich vor allem in nördliche und östliche Richtung aus, während die Industriegebiete in Zentrumsnähe und in der Umgebung des Svitava-Kanals nahezu unverändert blieben. An vielen Orten ist auf diese Weise bis heute die ursprüngliche urbanistische Struktur mit der einzigartigen Atmosphäre der historischen industriellen Vorstädte Brünns erhalten geblieben.