Route

   

MASARYK-VIERTEL

64 OBJEKTE
LÄNGE 4,39 KM

 

Beginn der Route: Žlutý kopec 543

První objekt: C001 Onkologisches Krankenhaus Haus des Trostes

Bedřich Rozehnal, 1935

Öffentlicher Verkehr: Žlutý kopec (TROL 35,38, 39,80)

Tvrdého (TROL 25, 26,35,38)

Úvoz (TRAM 4)

GPS: 49°11'40.314"N, 16°35'20.74"E

 

Objektverzeichnis

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Fotogalerie der Route

Route Masaryk-Viertel

Das heutige Villenviertel entstand nach und nach an den Hängen des Žlutý kopec (Gelben Berges), am Fuße des Kraví hora (Kuhberges) und an den Abhängen oberhalb des benachbarten Pisárky (Schreibwaldes) ab dem Ende des 19. Jahrhunderts . Bis zu dieser Zeit breiteten sich hier nur Weiden, kleine Felder und Weingärten aus, dazwischen standen mehrere militärische Wachhäuser und Pulvermagazine. Dank der hohen Qualität des hiesigen Lehmbodens wurden hier im 18. und 19. Jahrhundert auch mehrere Ziegeleien errichtet, die die sich dynamisch entwickelnde Industriestadt mit Baumaterial versorgten. Am Ende des 19. Jahrhunderts kam es jedoch zu einer grundlegenden Veränderung dieses Gebietes. Die ursprünglich kahlen Hügel wurden dank der Tätigkeiten des Aufforstungs- und Verschönerungsvereins (Zalesňovací a okrašlovací spolek) mit Bäumen bepflanzt, die Militär- und Industrieobjekte wurden schrittweise abgerissen und der Hang des Žlutý kopec (Gelben Berges) begann sich in eine sogenannte Gartenstadt zu verwandeln.


Die Idee individuellen Wohnraums in Naturnähe, der auch für mittlere Bevölkerungsschichten erschwinglich ist, hat ihren Ursprung in England. Nach seinem Vorbild kam die urbanistisch-soziologische Theorie der Gartenstadt in zahlreichen europäischen Städten zur Anwendung, häufig unter Mitwirkung von Baugenossenschaften, die eine staatliche Förderung für den Bau von Wohngebäuden erhielten. In Brünn wurde dank der Aktivitäten mehrerer Baugenossenschaften ein deutsches Beamtenviertel, das sogenannte Beamtenheim errichtet, wo sich vor allem Angestellte unterschiedlicher Ämter und Institutionen einstöckige Villen mit Vorgärten anschafften. Bis zum Beginn des ersten Weltkrieges entstand auf diese Weise im unteren Bereich des Žlutý kopec ein Villenviertel, das von den heutigen Straßen Tvrdého, Údolní und Heinrichova begrenzt war und vom Stadtzentrum aus mit einer elektrischen Straßenbahnlinie erreichbar war.


Nach der Entstehung der Tschechoslowakei entwickelten sich hier die Bautätigkeiten auf ähnliche Weise weiter. Die schwierige wirtschaftliche Situation und die Wohnungskrise der Nachkriegsjahre, die nach der Angliederung der anliegenden Gemeinden an Brünn ein enormes Anwachsen der Einwohnerzahl zur Folge hatte, erforderte eine enge Zusammenarbeit mit Baugenossenschaften. Zu den bedeutendsten gehörte die Wohnungsgenossenschaft Úřednická čtvrť (Beamtenviertel), die einen Bebauungs- und Parzellierungsplan des Viertels und Musterentwürfe für Einfamilien- und Zinshäuser ausarbeitete. Bis zur Mitte der 20er Jahre realisierte dieser Verband in Zusammenarbeit mit mehreren Brünner Baufirmen mehr als 80 Objekte in den neu festgelegten Straßen Mahenova, Roubalova, Kampelíkova und Klácelova. Die Haupt-Straßenachse bildete die heutige Lerchova-Straße mit dem neu angelegten Platz Vaňkovo náměstí, dessen urbanistisches Konzept von der Baugenossenschaft Na Vyhlídce (Zur Aussicht) stammte. Die Genossenschaften fokussierten ihre Tätigkeiten nicht nur auf Wohngebäude sondern widmeten sich auch dem Bau von Gehsteigen, der Installation öffentlicher Beleuchtung und der Anpflanzung von Alleen. Kurz nach der Verlängerung der Lerchova-Straße in nordwestliche Richtung zum neu angelegten Platz náměstí Míru im Jahre 1927 kam es auf Anregung der örtlichen Baugenossenschaften zum Bau einer Straßenbahnstrecke zum Fuße des Kraví hora (Kuhberges). Auf der Grundlage ihrer Aktivitäten wurden auch mehrere öffentliche Gebäude realisiert; so wurden hier ein Krankenhaus, Schulen, Studentenheime und eine seit langem erwünschte Pfarrkirche gebaut.


Im Jahre 1925 wurde das Úřednická čtvrť (Beamtenviertel) zu Ehren des ersten tschechoslowakischen Präsidenten in Masarykova čtvrť (Masaryk-Viertel) umbenannt. Zu dieser Zeit konzentrierten sich die Bautätigkeiten bereits nicht mehr ausschließlich auf typisierten erschwinglichen Wohnraum für die mittlere Gesellschaftsschicht; stattdessen traten Villen wohlhabender Auftraggeber in den Vordergrund des Interesses. Die Bauherren waren in erster Linie Industrie- und Finanzunternehmer, oft jüdischer Herkunft, Anwälte und Politiker. Villen mit architektonisch gestalteten Gärten entstanden im Südosten, in größerem Abstand von der bisherigen Bebauung, an den Hängen oberhalb des Stadtviertels Pisárky/Schreibwald (in den heutigen Straßen Hroznová, Vinařská und Preslova). Festgelegt wurden zwei neue Straßenachsen, die Barvičova-Straße, die zum Wilson-Wald führte, und die Lipová-Straße, die das Viertel mit einer wichtigen Verkehrsstraße und der Straßenbahnstrecke in der Hlinky-Straße verband.


Der raschen baulichen Entwicklung in der zweiten Hälfte der 20er Jahre folgte nach dem Ausbruch der Weltwirtschaftskrise im Jahre 1929 ein vorübergehender Rückgang der Bautätigkeiten. Durch eine Änderung des Systems staatlicher finanzieller Unterstützung, das nun keine direkten Förderungen mehr gewährte sondern lediglich Hypothekendarlehen der Bauherren deckte, wurden die genossenschaftlichen Bauaktivitäten im Masaryk-Viertel deutlich begrenzt. So entstanden überwiegend alleinstehende Einfamilienhäuser und Villen für mittlere und höhere Gesellschaftsschichten, die sich in der Umgebung der heutigen Straßen Lipová, Neumannova, Hroznová, Kalvodova und anderen konzentrierten. Nach der Stabilisierung der wirtschaftlichen Situation in der zweiten Hälfte der 30er Jahre wurde am nordöstlichen Rand des Viertels, in der Nachbarschaft des Wilson-Waldes, die einzigartige Wohnkolonie Pod Vodojemem (Unter dem Wasserturm) realisiert. Auf der Grundlage eines einheitlichen urbanistischen Plans, der vom städtischen Architekten Jindřich Kumpošt ausgearbeitet wurde, entstand auf dem abschüssigen Terrain der Straßen Rezkova und Kaplanova eine Gruppe von Einfamilien- und Doppelhäusern nach Entwürfen bedeutender Brünner Architekten.


Auf diese Weise wuchs das Masaryk-Viertel im Laufe der ersten Republik allmählich mit den benachbarten Vierteln Pisárky (Schreibwald) und Žabovřesky (Sebrowitz) zusammen. Freie Parzellen blieben vor allem im südwestlichen Teil übrig. Obwohl auch hier bereits der Plan eines Straßennetzes ausgearbeitet war, wurde eine Bebauung erst nach dem zweiten Weltkrieg in Angriff genommen. Unter dem kommunistischen Regime kam es zu einer Umbenennung des Masaryk-Viertels in Jiráskova čtvrť (Jirásek-Viertel). Seit den 90er Jahren trägt es jedoch wieder seinen ursprünglichen Namen, wenn es auch dem Katastralgebiet Stránice zugeordnet ist. Bis heute ist im ganzen Stadtteil der Charakter eines attraktiven Villenviertels erhalten geblieben, und auch heute noch ist er ein Ort interessanter architektonischer Projekte.