Route

   

UNTER DEM ŠPILBERK

34 OBJEKTE
LÄNGE 4,5 KM

 

Beginn der Route: Dominikánské náměstí 196

První objekt: C124 Renovierung des Neuen Rathauses

Josef Polášek, 1941

Öffentlicher Verkehr: Šilingrovo náměstí (TRAM 4, 12,)

Šilingrovo náměstí (TRAM 5, 6, )

GPS: 49°11'38.156"N, 16°36'22.13"E

 

Objektverzeichnis

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Fotogalerie der Route

Route Unter dem Špilberk

Die Umgebung der Festung Špilberk gehört zu den am längsten besiedelten Brünner Örtlichkeiten. Das südlich gelegene Staré Brno (Altbrünn) wird sogar für das überhaupt älteste Stadtgebiet gehalten. Wahrscheinlich entwickelten sich hier am Ufer des Flusses Svratka (Schwarzawa) bereits im 10. Jahrhundert die Grundlagen einer mittelalterlichen Siedlung. Später wurde dieser Ort jedoch durch die Anhöhe des heutigen Petrovs (Petersberges) ersetzt, in dessen Umgebung im 13. Jahrhundert die Stadt Brünn entstand. Gleichzeitig mit den Stadtmauern wurde auch die Festung Špilberk erbaut, sodass Staré Brno zu einer bloßen Vorstadt wurde. Dank seiner Lage am bedeutenden südlichen Handelsweg prosperierte es jedoch weiterhin stark und wurde bereits im 16. Jahrhundert zur Marktgemeinde erhoben.


Eine wesentliche Rolle für seine künftige urbanistische Entwicklung spielte die Gründung eines Klosters (am heutigen Mendlovo náměstí / Mendelsplatz), das zum Kern Altbrünns wurde. Nicht weniger bedeutend war auch die Anwesenheit des Schwarzawa-Mühlbaches, der von Westen über die heutige Výstavní-Straße hierher geleitet wurde. In seiner Nähe entstanden die ältesten Wohngebäude und später auch gewerbliche Produktionsstätten (wie z.B. die Altbrünner Bierbrauerei). Der Mühlbach floss durch die Mitte des heutigen Verkehrsknotenpunktes am Mendlovo náměstí und weiter in Richtung Osten durch die Gelände zweier weiterer Altbrünner Klöster sowie eines Spitals (das heutige Areal des St. Anna-Krankenhauses). Im Jahre 1850, als Staré Brno Bestandteil der Stadt Brünn wurde, umfasste es bereits weitläufige Gebiete an beiden Ufern des Flusses Svratka (Schwarzawa) und in der Umgebung wichtiger Wege, der heutigen Straßen Výstavní, Křížová, Hybešova, Pekařská und der sich schrittweise entwickelnden Úvoz-Straße.


Nördlich des Špilberks lag ein Gebiet, das nach der Herkunft seiner ersten Bewohner „Švábka“ („Schwabengasse“) genannt wurde. Es entwickelte sich entlang der heutigen Údolní-Straße in wesentlich geringerem Ausmaß als Staré Brno als eines der ersten mittelalterlichen Vorstadtviertel und bestand damals hauptsächlich aus kleineren Häusern von Landwirten, Handwerkern und Gewerbetreibenden. An den Špilberker Hang, der von Gärten und Weingärten bedeckt war, grenzte der Žlutý kopec (Gelbe Berg), dessen Boden gleich von mehreren Ziegeleien genutzt wurde.


Der Charakter Švábkas verwandelte sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts stark , als es gemeinsam mit weiteren Vorstädten an Brünn angegliedert wurde. Nach dem Abriss der Stadtmauern wurde der südliche Teil der Schwabengasse zu einem Bestandteil der repräsentativen Ringstraße und schloss auf diese Weise an die neu gebauten großstädtischen Straßen, die heutige Husova- und die Joštova-Straße an. Die überwiegenden Zinshäuser zu beiden Seiten der Údolní-Straße bildeten die Basis für ein weitläufiges Wohnviertel mit dem Kern auf dem neu angelegten Platz Obilní trh. Die Straße selbst war eine wichtige Verbindungsstraße zwischen dem Stadtzentrum und den neuen Villenvierteln am Žlutý kopec (Gelben Berg) und am Kraví hora (Kuhberg). Durch ihre Anbindung an die Úvoz-Straße wurde die Schwabengasse gemeinsam mit der Pekařská-Straße zum Hauptverkehrsweg in Richtung Staré Brno.


Noch vor dem ersten Weltkrieg wurde am Fuße des Žlutý kopec in der Nähe der Kreuzung der Straßen Údolní und Úvoz ein neues Straßennetz festgelegt. Die Bauaktivitäten begannen hier jedoch erst in den 20er Jahren, als die sich erhöhende Einwohnerzahl nach der Erweiterung des Stadtgebiets Brünns um Gemeinden der Umgebung im Jahre 1919 eine wachsende Nachfrage nach Wohnraum mit sich brachte. Es wurden vor allem Mietshäuser gebaut (in den heutigen Straßen Údolní, Úvoz, Gorkého und Grohova), die attraktive Örtlichkeit oberhalb Altbrünns ließ jedoch auch mehrere Villen (in der Umgebung der heutigen Tomešova-Straße) entstehen, die die allmählich anwachsende Bebauung des Villenviertels Masarykova čtvrť (Masaryk-Viertel) ergänzten.


Auf dem Gebiet des Žlutý kopec standen auch Bauparzellen für Objekte der neu eingerichteten Masaryk-Universität zur Verfügung. Nach ihrer Gründung im Jahre 1919 suchte die Hochschule einen geeigneten Platz für ihre Fakultäten. Während für das geplante Areal der medizinischen Fakultät eben der Žlutý kopec gewählt wurde, sollten die juristische, die philosophische und die naturwissenschaftliche Fakultät im sogenannten Akademická čtvrť (akademischen Viertel) am Fuße des Kraví hora ihren Platz finden. Das ursprüngliche Bauvorhaben wurde jedoch nicht verwirklicht, sodass hier für die Institute der medizinischen Fakultät lediglich zwei Objekte im weitläufigen Gelände der Landwehrkaserne, die sich zwischen den heutigen Straßen Údolní, Tvrdého und Úvoz befand, realisiert wurden.


Das Aussehen Altbrünns in der Zwischenkriegszeit beeinflusste wesentlich den Bau des nahegelegenen Areals des Landes-Messegeländes im Jahre 1928. Von dort führte die neu angelegte gerade Straße U Plovárny (die heutige Výstavní-Straße) vorbei am neu erweiterten Komplex des Stadtbades an der Rybářská-Straße (der heutigen Veletržní-Straße) bis zur Brauerei. Vor dem Kloster mündete sie an der Stelle der heutigen Straßenbahnschleife in den damaligen Mendlovo náměstí (Mendelsplatz). Die ursprüngliche kompakte Ansammlung von Wohngebäuden, die sich zu beiden Seiten des Schwarzawa-Mühlbaches ausdehnte, wurde in der Nachbarschaft des Altbrünner Rathauses vom Neubau eines Mietshauses aus den 30er Jahren ergänzt, der bis heute als einzige Erinnerung an den vormals malerischen Teil Altbrünns erhalten geblieben ist.


Nach der Bewältigung der Folgen der Weltwirtschaftskrise in der zweiten Hälfte der 30er Jahre wurde für die bauliche Weiterentwicklung gerade der Bau von Mietshäusern aktuell. In der Bemühung, eine ausreichende Anzahl von Wohnungen für die mittleren und unteren Gesellschaftsschichten zu gewährleisten, errichteten Baumeister oder Baufirmen einzelne Wohnhäuser sowie ganze Straßenblocks entlang der beiden Trassen, die Staré Brno mit dem historischen Stadtkern verbanden. In der Umgebung der Úvoz-Straße wurde vor allem in den Straßen Údolní, Gorkého, Čápkova und Grohova gebaut. Auf der anderen Seite des Špilberk-Hügels ergänzten Objekte von Mietshäusern die historische Bebauung der Straßen Pekařská und Pellicova.


Heute ist die Umgebung der Burg Špilberk von historischen Kriegsereignissen sowie neuzeitlichen urbanistischen Eingriffen gezeichnet. In der Husova-Straße wurde noch in den 30er Jahren in Zusammenhang mit der Adaption des Neuen Rathauses das Areal einer Kaserne abgerissen. Das ursprünglich hier geplante Amtshaus der Stadt Brünn (Úřední budova města Brna) wurde schließlich nicht gebaut. Während des Angriffes der alliierten Luftstreitkräfte wurde die Umgebung der freien Parzelle mehrmals getroffen. Auf einem Teil des Geländes entstand in den 60er Jahren das Hotel International, der übriggebliebene Abschnitt ist jedoch bis heute unbebaut geblieben. Vom Bombenangriff betroffen war auch ein großer Teil der Südseite des Platzes Obilní trh, der bis heute nicht architektonisch angemessen ergänzt wurde.


Am markantesten wurde jedoch durch die neuzeitliche Entwicklung der Charakter des Mendlovo náměstí (Mendelsplatzes) verändert. Mehrere Bombenangriffe direkt im Kern Altbrünns hatten das Areal des Stadtbades und teilweise auch Gebäude in der Umgebung des Mühlbaches zerstört. In den Jahren 1962–65 arbeitete der Architekt František Kočí ein neues urbanistisches Konzept aus, das auf die Anforderung der Entstehung einer repräsentativen Straße zum Areal des viel besuchten Messegeländes reagierte. Die Zuschüttung des Svratka-Kanals, die Anlegung der breiten Verkehrsstraße Veletržní, der Abriss historischer Gebäude im Zentrum des Platzes und die lediglich torsoartige Umsetzung des architektonischen Entwurfs bewirkte einen fatalen Verlust des Genius loci. Trotz mehrerer Versuche der letzten Jahre, eine geeignete urbanistische Lösung für den Raum des Mendlovo náměstí zu finden, bleibt diese älteste Brünner Örtlichkeit vor allem ein unattraktiver Verkehrsknotenpunkt.