Wohnhäuser Mučednická- Straße

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 Die Wohnungskrise, deren Wurzeln schon in der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen sichtbar waren, eskalierte nach dem II. Weltkrieg. Zu den Aufgaben der staatlichen Projektinstitute gehörten nicht nur die Kriegsschäden des Wohnungsfonds zu bewältigen, sondern auch mit dem Populationsboom fertig zu werden, der kurz nach dem Krieg einsetzte.


An der Wende der fünfziger und sechziger Jahre distanzierte man sich allmählich vom sozialistischen Realismus in der architektonischen Gestaltung der Bauten und der gänzlich wirtschaftliche Zugang zur Planung der Bautätigkeit begann die Oberhand zu gewinnen. Die Periode der intensiven Bemühung um Präfabrikation und Typisierung hat angefangen. Die sechziger Jahre waren zugleich die Zeit, in der seitens der Öffentlichkeit die erste deutliche Kritik an dem unzureichenden Niveau des Wohnens geäußert wurde. Die Beanstandungen betrafen vor allem die städtebauliche Eintönigkeit der Wohnanlagen, die unifizierte Gestaltung der Häuser und die unzureichende Dispositionslösung der Wohnungen. Infolge dieser Kritik entstanden Studien- und Typisierungsinstitute, die Versuchshäuser entwarfen, die die wirtschaftlichen Bedürfnisse mit der Notwendigkeit des qualitätsvollen und ästhetischen Wohnens vereinten.


1959 wurde in der Vinařská- Straße das erste Experiment-Haus des Architektenpaares František Zounek und Viktor Rudiš errichtet, die Grundlage des innovativen Entwurfes war Benutzung des Gießbetons, dies bedeutete sowohl geringeren Verbrauch des Baumaterials, als auch größere Variabilität der Innenräume beim Erhalt der ästhetischen Eigenheit des Objekts.


Zwei Wohnhäuser erbaut 1961 gegenüber dem Kounic-Studentenheim in der Mučednická-Straße im Stadtteil Žabovřesky waren eine Replik des erwähnten Hauses, in Brünn als der „Typ Zounek“ bezeichnet.


Im Erdgeschoß des Hauses befanden sich die Wohnung des Verwalters und der Wirtschaftsteil mit den Kellerkojen sowie gemeinsamen Wasch- und Trockenraum. In jedem Geschoß lagen zwei spiegelbildlich zueinander liegende Wohnungen mit kleiner Diele, Küche und einem südwestlich orientiertem Zimmer.


Für die atypische Disposition der Innenräume war ein Teil der Fenster bei diesen Häusern zur Seitenfassade orientiert, dies jedoch machte eine Anordnung der Häuser zu größeren Wohneinheiten unmöglich. Auch das war ein Grund dafür, dass dieser Häusertyp bzw. sein Konstruktionssystem – bis auf einige Repliken in Brünn-Pisárky und Žabovřesky keine weitere Nachfolge fand.


Das viergeschossige Haus mit zwei Eingängen und dreizehn Wohneinheiten ragte schon beim Anblick von der Straße her mit seiner markanten, durch ein regelmäßiges Raster der Loggien gegliederten Fassade heraus. Der Erdton des Brizolit-Putzes kontrastierte dezent mit der dunkelroten Keramikverkleidung und den Metallrahmen der Eingangstüren in gleicher Farbe. Dem eigenartigen Gesamtausdruck schaden heute weder die ausgetauschten Fenster noch der neue Farbanstrich der Fassade in Pastelltönen.

LH