Denkmal des Rotarmisten

D106

 Das Denkmal des Rotarmisten oder Denkmal des Sieges der Roten Armee über den Faschismus befindet sich seit 1955 im Osten des heutigen Mährischen Platzes, als es anlässlich des zehnten Jahrestags der Befreiung der Erde vom faschistischen Regime feierlich enthüllt wurde. Das von den Straßenbahn-Boulevards Lidická und Milady Horákové umschlossene dreieckige Grundstück bildet ein Bindeglied zwischen dem angrenzenden Park Glacis (Koliště) und dem westlichen Teil des Mährischen Platzes, wo ursprünglich das Deutsche Haus gestanden hatte, das kurz nach Kriegsende im Jahr 1945 abgerissen wurde. Die gesamte Fläche der ehemaligen Stadtmauern wurde Ende des 19. Jahrhunderts zu einer ansehnlichen Ringstraße mit einem Gürtel parkartig hergerichteter Grünflächen umgestaltet. An der Vorbereitung des monumentalen öffentlichen Raumes mit Denkmal und der überlebensgroßen Bronzeplastik eines Soldaten auf der Spitze waren drei Autoren beteiligt – der Bildhauer Vincenc Makovský, der nach den Kriegsjahren von der Kunstschule Zlín nach Brünn zurückkehrte, der in der ersten Hälfte der fünfziger Jahre als Dekan der Brünner Fakultät für Architektur und Hochbau wirkende Architekt Bohuslav Fuchs und Antonín Kurial, der an derselben Fakultät Professor war und einige Jahr zuvor im Jahr 1946 im Brünner Stadtteil Nový Lískovec ein Denkmal für die Opfer des Zweiten Weltkriegs realisiert hatte.

 
Das Denkmal selbst wurde in eine von Bohuslav Fuchs architektonisch gestaltete Freifläche gesetzt, die einen V-förmigen Grundriss mit bogenförmigem Abschluss besitzt, dessen beiden Flügel bzw. gleichzeitig auch Zugangsachsen zum westlichen Teil des Mährischen Platzes hin zeigen. Es wird umgrenzt von einem System offener, geometrisch gegliederter Geländer, kombiniert mit niedrigen, in Abhängigkeit vom Gelände höhenmäßig abgestuften Granitmauern. Der Rand entlang des Boulevards Lidická třída ist locker gesäumt mit niedrigen abgerundeten Halbsäulen. Die Steinsäulen für die Laternenpfähle der öffentlichen Beleuchtung, die massiven Ziervasen an den Ecken für Ewige Flammen, die freie grasbedeckte Zone und auch die traditionell verwendeten beständigen Materialien verliehen dem Raum einen deutlich repräsentativen Charakter.
 
Der von Antonín Kurial entworfene Denkmalsockel steht im Zentrum eines Dreiecks auf einem flachen Unterbau mit drei Stufen und erhielt die Form eines bossierten Quaders, der durch mehrere Simse horizontal gegliedert wird. Die vertikale Linie repräsentierte ein vorgesetzter schmälerer zentraler Steinblock auf beiden Seiten des Quaders mit der Inschrift von Stalins militärischem Befehl zur Befreiung Brünns, gekrönt von einem plastischen Kranz, in dem sich das Motiv Hammer und Sichel befindet. Die realistisch ausgeführte Bronzeplastik eines Rotarmisten mit erhobener Linken und eine Flagge haltend wandte sich in Richtung Mährischer Platz und sollte eine entschiedene Geste symbolisieren, die Feuergefechte des Krieges zu stoppen.
 
Das Denkmal gehört seit 1958 zu den immobilen Kulturdenkmälern. Entstanden ist es in der ersten Hälfte der fünfziger Jahre, also in der Zeit des strengsten kommunistischen Regimes, das den sozialistischen Realismus offiziell als dominante und anerkannte Kunstrichtung durchsetzte. In den Nachkriegsjahren wurde das Denkmal auch sehr oft zu offiziellen Anlässen und Feiern des Regimes genutzt. Aus diesem Grund wurde es in der Nachwendezeit zu einem Symbol des gehassten Totalitarismus und war Gegenstand einer Reihe von Debatten über eine mögliche Beseitigung. Es hat mehrere moderne Umgestaltungen durchgemacht – die Inschrift mit dem Befehl Stalins auf weißem Gestein wurde entfernt. Die Plastik wurde im Jahr 2012 zwecks Restaurierung demontiert und 2013 wieder installiert. 
 
KE

Name
Denkmal des Rotarmisten

Datierung
1949 – 1949

Architekt(inn)en
Bohuslav Fuchs, Antonín Kurial

Künstler
Vincenc Makovský

Kode
D106

Adresse
Moravské náměstí, Brno, Střed

Öffentlicher Verkehr
Moravské náměstí (TRAM 1,2,4,6,8,9,10)
Moravské náměstí (TRAM 3,5,9; BUS 67)


GPS
49°11'58.0"N 16°36'30.5"E