Zentrum

3,97 km

Der historische Kern Brünns blieb in seiner mittelalterlichen urbanistischen Gestalt verhältnismäßig lange erhalten. Bereits im 13. Jahrhundert umgab eine Befestigungsanlage die Fläche der inneren Stadt, die bis zur Hälfte des 19. Jahrhunderts nahezu unverändert blieb. Die Einteilung des Straßennetzes entsprach den Trassen der Handelswege, die durch fünf Haupttore in die Stadt führten. Den Kern Brünns bildete der sogenannte Untere Markt an der Stelle des heutigen Platzes náměstí Svobody, in dessen Umgebung vier Stadtviertel entstanden. Vor den Stadtmauern bildeten sich allmählich Vorstadtviertel entlang der Brünner Wasserläufe, des Ponawka-Baches und der künstlich angelegten Mühlbäche der Flüsse Svratka (Schwarzawa) und Svitava (Zwittawa). Ab der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts begannen sich die Brünner Vorstädte im Zuge der Industrialisierung rasant auszudehnen. Im Jahre 1839 wurde eine Eisenbahnstrecke bis an die Stadtmauern gebaut, und so erwiesen sich diese als überflüssige Barriere, die eine weitere Entwicklung der Stadt verhinderte. Zu einem schrittweisen Abriss der städtischen Befestigungsanlage kam es im Laufe des 19. Jahrhunderts, und im Jahre 1850 wurden die Vorstädte sowie die anliegenden Gemeinden an Brünn angegliedert.


Nach einem Bebauungsplan zur Erweiterung der inneren Stadt wurde anstelle der ehemaligen Stadtmauern die sogenannte Ringstraße erbaut. Auf diese Weise entstanden attraktive Bauparzellen, die im Laufe der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und am Beginn des 20. Jahrhunderts Raum für eine Vielzahl repräsentativer Gebäude boten. Einem radikalen Wandel unterlag auch der historische Stadtkern selbst, der nicht mehr den damaligen hygienischen und verkehrstechnischen Ansprüchen entsprach. Im Jahre 1896 kam es im Rahmen der sogenannten „Brünner Assanierung“ zu einem Abriss älterer Gebäude (insgesamt 238 Häuser) und zu einer Anlegung neuer Straßen (die heutige Rašínova- und die Květinářská-Straße). Von den Veränderungen war auch das Verkehrssystem im Stadtzentrum betroffen, das im Jahre 1900 durch ein Netz elektrischer Straßenbahnlinien erweitert wurde. Bis zum Jahre 1916, in dem die Erneuerungsaktivitäten zu einem Abschluss kamen, gelang es Brünn dank der neuen Bebauung das Gesicht einer Großstadt anzunehmen. Unwiederbringlich war jedoch der Verlust wertvoller historischer Baudenkmäler und somit eines bedeutenden Teils der Vergangenheit der Stadt.


Mit der Entstehung der selbständigen Tschechoslowakei im Jahre 1918 musste Brünn plötzlich einer Vielzahl von Veränderungen die Stirn bieten. Im Jahre 1919 wurden 23 Gemeinden der Umgebung an die Stadt angegliedert, und zwei Jahre später wurde Brünn die Hauptstadt des Landes Mähren, später Mähren-Schlesiens. Das plötzliche Anwachsen der Einwohnerzahl und die Einrichtung neuer Institutionen bestimmte die wichtigsten architektonischen Aufträge der Zwischenkriegszeit, die die Sicherstellung einer ausreichenden Anzahl von Wohnungen und den Bau öffentlicher und administrativer Gebäude umfassten. Dank der Gesetze zur Unterstützung von Bautätigkeiten aus den Jahren 1921 und 1927, die den Bauherren eine direkte finanzielle Förderung oder Steuernachlass gewährten, gelang es problematische Fragen zu lösen; und so waren die 20er Jahre von einem bedeutenden baulichen Aufschwung bestimmt. Im Stadtzentrum selbst stand nur eine begrenzte Zahl geeigneter Bauparzellen zur Verfügung, deshalb konzentrierten sich hier die architektonischen Aktivitäten auf die Adaptierung historischer Objekte, während für Neubauten bisher unbebaute Grundstücke genutzt wurden, die durch die vorhergehende Stadterneuerung frei geworden waren. Als unvermeidlich erwies sich jedoch auch eine weitere Phase der Stadterneuerung direkt im Zentrum. Anstelle der ursprünglichen Bebauung entstanden in erster Linie Objekte von Finanzinstituten und multifunktionale Gebäude mit Geschäfts- und Wohnräumen. Durch mehrere in architektonischer Hinsicht außergewöhnliche Realisierungen erlebte auch die Tradition der städtischen Kaffeehäuser einen Aufschwung, die dank ihrer Beschaffenheit sowie ihrer gesellschaftlichen Rolle zu einem besonderen Phänomen der ersten Republik wurde.


Die baulichen Aktivitäten im historischen Kern verliefen anfangs ohne umfassendes urbanistisches Konzept. Man befasste sich immer nur mit einem Teilgebiet, wobei weder auf die erhöhte Verkehrsbelastung noch auf eine Beziehung zu den anliegenden Industrie- und Wohnzonen geachtet wurde. Deshalb schrieb der Stadtrat im Jahre 1924 einen Ideenwettbewerb zur Regulierung der Brünner Innenstadt aus. Seine Ergebnisse brachten zwar keine komplexe Lösung, lieferten jedoch wichtige Impulse für die künftige Entwicklung des Stadtzentrums. Entworfen wurde ein Abschluss der Ringstraße durch das Anlegen einer neuen Straße in den Felsen unterhalb des Petrovs/Petersbergs (der südliche Teil der heutigen Husova-Straße) und die Verlegung des Personenbahnhofs (des heutigen Hauptbahnhofs) in Richtung Südosten, die eine Ausweitung des Zentrums nach Süden ermöglichen würde. Im daran anknüpfenden Ideenwettbewerb für den Bebauungsplan Brünns einschließlich seiner Umgebung, der von der Stadt im Jahre 1926 ausgeschrieben wurde, wurde dieses Konzept vom siegreichen Entwurf „Tangente“ bestätigt. Ausgearbeitet wurde dieser von Bohuslav Fuchs, Josef Peňáz und František Sklenář, die eine Verlegung des Personenbahnhofs und eine Verlängerung der Promenade (der heutigen Benešova-Straße) mit ausreichendem Raum für die weitere Entwicklung der Stadt in ihrer Umgebung vorsahen. Im Unterschied zur Regulierung der heutigen Husova-Straße, durch deren Verlängerung in den Jahren 1940–41 der kleine Stadtring abgeschlossen wurde, gelang es nicht, die Idee der Verlegung des Personenbahnhofs zu verwirklichen. Im Jahre 1933 fand zwar ein weiterer ergänzender Wettbewerb statt, und zwei Jahre später wurde ein detaillierter Entwurf zur Verlegung ausgearbeitet, seine Verwirklichung wurde jedoch durch die wirtschaftliche und politische Situation der Vorkriegsjahre verunmöglicht.


Die Eisenbahnstrecke sowie das Bahnhofsareal durchschnitten also weiterhin das Zentrum der Stadt und verhinderten so eine engere Verbindung mit den äußeren Stadtteilen. Das südlich und südöstlich vom historischen Kern gelegene Gebiet degradierte auf diese Weise allmählich, und zahlreiche Parzellen sind bis heute ungenutzt geblieben. Es handelte sich dabei überwiegend um Industrieareale entlang des Ponawka-Baches, des Zwittawa- und des Schwarzawa-Mühlbaches. Der spezifische Charakter der Arbeiterbauten an den Wasserläufen führte zur örtlichen Bezeichnung „Klein-Venedig“. Die Fabriken wurden hier vor allem von bedeutenden jüdischen Unternehmern gegründet, da sich die Umgebung des historischen Handelsweges, der nach Olomouc (Olmütz) führte (die heutige Křenová-Straße), bereits ab der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts schrittweise zu einer Heimstätte der Brünner jüdischen Gemeinde entwickelte. Zur Zeit der ersten Republik wurden hier eine Synagoge und mehrere Mietshäuser erbaut. An die industrielle Verbauung schloss in den Jahren 1929–30 der Bau des ausgedehnten Areals des Brünner Wärmekraftwerkes an. Die weiterhin vorhandene Eisenbahnbarriere verhinderte jedoch eine intensivere Urbanisierung dieses Gebietes.


Nach dem zweiten Weltkrieg kam es zu einer Zuschüttung der Mühlbäche, und durch die verkehrstechnische Lösung in Form einer Ringautobahn in den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts entstand eine weitere Barriere, die eine natürliche Weiterentwicklung des Stadtzentrums verhinderte. Zurzeit wird ein neuer Raumordnungsplan vorbereitet, der auch eine urbanistische Lösung des sogenannten Südzentrums beinhaltet. Seine Konzeption sieht erneut die Variante einer Verlegung des Bahnhofs in Richtung Süden vor; allerdings erreicht der Entwurf zur Erweiterung des Stadtzentrums einstweilen nicht die Qualitäten der Zwischenkriegszeit und nutzt bei weitem nicht das Potential attraktiver Lokalitäten in der Nähe des historischen Kerns Brünns.
 

Name
Zentrum

Länge
3,97 km

Anzahl der Objekte
58

Beginn der Route
Nádražní 654

Erstes Objekt
Städtisches Beherbergungsbüro
C066


Öffentlicher Verkehr
Hlavní nádraží (TRAM 1, 2, 4, 8, 9, 10, 12)
Hlavní nádraží (BUS 76, TROL 31, 33)
Hlavní nádraží (TRAM 9, BUS 67)


GPS
49°11'27.536"N, 16°36'39.862"E
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Objekte auf der Route

C066 Städtisches Beherbergungsbüro Städtisches Beherbergungsbüro
C066
Buchhandlung Witzek
C067
Geschäft der Brüder Wittal
C068
Schaufenster des Kaufhauses Plaček
C069
C070 Schuhladen der Firma Friedrich Leopold Popper Schuhladen der Firma Friedrich Leopold Popper
C070
Fleischerladen
C071
C072 Mietshaus mit Geschäften der Firma Wittreich Mietshaus mit Geschäften der Firma Wittreich
C072
Portal des Geschäfts Salus
C073
C074 Mietshaus mit Café Mietshaus mit Café
C074
Portal des Silberwarengeschäfts Josef Freund
C075
Geschäft Wittrich
C076
Optik Felsch
C077
C078 Verwaltungsgebäude der Ersten Mährischen Sparkasse Verwaltungsgebäude der Ersten Mährischen Sparkasse
C078
C079 Wohn- und Geschäftshaus Wohn- und Geschäftshaus
C079
Portal des Geschäfts Gelateria Olivo
C080
Innenraum und Portal des Kleider- und Schuhgeschäfts Reithoffen
C081
Hut- und Schuhgeschäft Reiner
C082
C083  Alfa-Palast Alfa-Palast
C083
C084 Geschäftshaus JEPA Geschäftshaus JEPA
C084
C085  Renovierung des Palastes von Herrn Schwanz (Haus der Herren von Leipa) Renovierung des Palastes von Herrn Schwanz (Haus der Herren von Leipa)
C085
C086  Mährische Bank Mährische Bank
C086
C087 Geschäftshaus Brouk und Babka Geschäftshaus Brouk und Babka
C087
C088 Modesalon Femina Modesalon Femina
C088
C089 Mietshaus mit Geschäften Mietshaus mit Geschäften
C089
C090 Mietshaus mit Geschäften der Firma Emanuel Jakob Friedmann Mietshaus mit Geschäften der Firma Emanuel Jakob Friedmann
C090
C091 Mietshaus mit Geschäften und Café (Convalaria) Mietshaus mit Geschäften und Café (Convalaria)
C091
C092 Hotel Avion Hotel Avion
C092
C093 Foto Petrůj Foto Petrůj
C093
Adaptierung der Versicherung Slavia
C094
C095 Café Savoy Café Savoy
C095
Gebäude der Kreditanstalt der Deutschen (Heute Gebäude des Tschechischen Fernsehens Brünn)
C096
C097 Mietshaus mit Geschäften Mietshaus mit Geschäften
C097
Züricher Seidenhaus
C098
C099 Böhmische Union-Bank (heute Tschechischer Rundfunk) Böhmische Union-Bank (heute Tschechischer Rundfunk)
C099
C100 Mährische Landeslebens- -versicherungsanstalt (heute Bezirksstaats- -anwaltschaft) Mährische Landeslebens- -versicherungsanstalt (heute Bezirksstaats- -anwaltschaft)
C100
C101 Café Esplanade Café Esplanade
C101
C102 Café Zeman Café Zeman
C102
C103  Mietshaus Mietshaus
C103
C104  Mietshaus Mietshaus
C104
Mietshäuser
C105
C106  Jubiläums- -Unfallkrankenhaus Jubiläums- -Unfallkrankenhaus
C106
C107 Generaldirektion der Berg- und Hüttengesellschaft Generaldirektion der Berg- und Hüttengesellschaft
C107
C108 Geschäfts- und Bürogebäude Vichr Geschäfts- und Bürogebäude Vichr
C108
C109  Kaufhaus der Firma Baťa (Kaufhaus Centrum) Kaufhaus der Firma Baťa (Kaufhaus Centrum)
C109
C110 Miets- und Geschäftshaus Miets- und Geschäftshaus
C110
C111 Anbau der Polizeidirektion Anbau der Polizeidirektion
C111
C112 Café Oper Café Oper
C112
C113 Morava-Palast Morava-Palast
C113
C114 Renovierung des Hauses der Kunst Renovierung des Hauses der Kunst
C114
C115  Miets- und Geschäftshaus Miets- und Geschäftshaus
C115
C116 Mietshäuser Mietshäuser
C116
C117  Synagoge Synagoge
C117
C118  Textilfabrik Stiassny und Neumark (Vlněna) Textilfabrik Stiassny und Neumark (Vlněna)
C118
C119 Mietshaus Mietshaus
C119
C120  Miets- und Geschäftshaus Miets- und Geschäftshaus
C120
Wechselseitigen Feuerwehr- -versicherungsanstalt
C121
C122  Bürogebäude und Mietshaus der Versicherungsanstalt Riunione Adriatica di Sicurta Bürogebäude und Mietshaus der Versicherungsanstalt Riunione Adriatica di Sicurta
C122
C123  Bahnhofspostamt in Brünn Bahnhofspostamt in Brünn
C123