In den Straßen Přízova und Dornych befanden sich in der Ersten Tschechoslowakischen Republik Textilfabriken der jüdischen Industriellen Stiassny und Neumark, deren Areale schon in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstanden waren. Alfred Stiassny, der sich vom Architekten Ernst Wiesner eine Villa im Masaryk-Viertel erbauen ließ, war zusammen mit seinem Bruder Ernst der Besitzer einer Fabrik für Wollwaren in der Straße Přízova Nr. 3. Der Architekt Wiesner führte für seinen Klienten offenbar auch kleinere Adaptierungen mehrerer Fabriksgebäude durch. Nach der Konfiskation des Vermögens der Firma Stiassny, da diese jüdisch war, zu Beginn des Krieges wurde 1941 die Fabrik vom deutschen Fabrikanten Julius Kunert gekauft. Die von ihm in Auftrag gegebenen Adaptierungen des Interieurs des Verwaltungsgebäudes durch den Architekten Evžen Škarda wurden jedoch bis Kriegsende nicht umgesetzt. Der Familie Stiassny gelang die Flucht vor den Nazis, die Eheleute Alfred und Hermine verstarben erst Anfang der 1960er Jahre in Hollywood. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Fabriken verstaatlicht und später zum Nationalbetrieb Vlněna zusammengeschlossen. Das endgültige Aus kam für die Produktion um das Jahr 1997, und die Gebäude wurden nach und nach verkauft. Der heutige Mehrheitseigentümer des ehemaligen Fabrikskomplexes ist eine Developergesellschaft, welche die bestehenden Objekte abreisen lassen und neue Büro- und Wohngebäude errichten möchte.
Textilfabrik Stiassny und Neumark (Vlněna)
Name
Textilfabrik Stiassny und Neumark (Vlněna)
Architekti/ky
Ernst Wiesner,
Evžen Škarda
Kode
C118
Typ
Industrie-, Technik- und Verkehrsbauwerk
Adresa
Přízova 285/3,
Brno
Öffentlicher Verkehr
Úzká (BUS 40, 48, 49, 77)
Úzká (BUS 701, 702)
Úzká (TRAM 12)
GPS
49.190088,16.616499
Literatur
Petr Pelčák, Ivan Wahla. Ernst Wiesner 1890–1971. Brno, Obecní dům Brno, 2005.
Pavel Zatloukal. Brněnská architektura 1815–1915. Průvodce. Brno, Obecní dům Brno, 2000.