Mitte der fünfziger Jahre des 19. Jahrhunderts begann man in Mähren mit den Vorbereitungen zum Bau einiger großer Areale von Einrichtungen für Geisteskranke, wobei das erste in Brünn gebaut werden sollte. Damals gab es in der Stadt bereits zwei stationäre psychiatrische Einrichtungen – im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder und im Krankenhaus zu St. Anna. Der damalige Chefarzt der Abteilung für Geisteskranke im Krankenhaus zu St. Anna Josef Ignác Čermák war ein Pionier der modernen Psychiatrie. Er war darum bemüht, dass Geisteskranke nicht nur eine spezialisierte ärztliche Versorgung erhielten, sondern auch menschlich behandelt wurden. Gerade ihn hat der medizinische Referent des Landesamtes in Brünn A. Engel mit den Vorbereitungen des Bauprogramms des neuen Areals beauftragt, nach dessen Fertigstellung er auch sein erster Direktor werden sollte. Ziel war es, in Brünn eine moderne Einrichtung zu bauen, die in ganz Österreich-Ungarn für ähnliche Einrichtungen als Vorbild dienen soll. Auf der Grundlage von Čermáks Unterlagen hat sich der Landesbaudirektor Josef Seifert 1856 der Projektarbeiten angenommen. Ein Jahr später ist er jedoch verstorben. Nach dessen Tod hat Ludwig von Zettl (1821–1891) vom Wiener Innenministerium 1861 die Pläne abgeändert. Für den Bau wurde ein Grundstück auf einer freien Fläche hinter der Stadt in der Nähe der damals selbständigen Gemeinde Černovice gewählt, was es möglich machte, einen ausgedehnten, von einem Park umgebenen Komplex mit 336 Betten zu schaffen, ohne die benachbarte Bebauung einzuengen. Der Bau des Areals wurde von Josef Arnold 1861–1863 durchgeführt. Jegliche Bildhauer- und Steinmetzarbeiten in den Außen- und Innenräumen und auch in der Anstaltskapelle stammen von Adolf Loos d.Ä., während die Umgebung des Parks von Anton Schebanek hergerichtet wurden. Das groß angelegte Bauwerk wurde am 24. Oktober 1863 eingeweiht und begann zwei Wochen später seinem Zweck zu dienen. Am 1. November 1863 wurden die ersten Patienten aus dem Krankenhaus zu St. Anna in die Anstalt verlegt (114 Männer und 94 Frauen), und bis Jahresende 1863 hat man insgesamt noch 228 Patienten aufgenommen. Josef Seifert gehörte zu der Architektengeneration, die in der Zeit des Bachschen Absolutismus im österreichischen Kaiserreich zwischen dem Spätklassizismus und dem romantischem Historismus navigierten. Ihre Bauten sollten einen würdigen Eindruck machen, der den Forderungen der Staatsverwaltung entsprach und für die großzügige Abmessungen, mächtige Baumassen, symmetrische Grundrisse, regelmäßige Gliederungen des Ganzen und einzelner Teile sowie eine monotone Wiederholung von Bauelementen charakteristisch war. Diese Kasernen- und Gefängnisarchitektur (Seifert war beispielsweise auch Autor der Adaption des Zuchthauses in der Brünner Straße Cejl) formte auch das Aussehen der Mährischen Landesanstalt für Geisteskranke. Der monumental konzipierte medizinische Komplex bestand aus einem ausgedehnten Hauptgebäude mit Innenhof und der Anstaltskapelle Kreuzerhöhung, hinter der sich noch weitere Obejekte befanden. In den Jahren 1881 bis 1885 wurden in dem Park mehrere kleinere freistehende Pavillons errichtet. Das Hauptgebäude ist eines der letzten Beispiele für Bauten der Behördenarchitektur aus der Vormärzzeit, für die der Übergang zwischen Spätklassizismus und der aufkommenden Neorenaissance charakteristisch ist. Ihre imposante Vorderfront, die als klassizistisch mit Anzeichen der Neorenaissance angesehen werden kann, ist 121 m lang. Das völlig symmetrische Objekt zeichnet sich durch die nüchterne Wucht der kubischen Masse aus, ergänzt von nur sehr genügsamen Verzierungen. Den zentralen Teil bildet ein Axialrisalit, dessen Komposition auf der Zahl drei aufgebaut ist. Horizontal ist er in drei Zonen gegliedert – in einen Sockel und in zwei Stockwerke. Vertikal ist er ebenfalls in drei Teile untergliedert – in einen dreiaxialen, von den Seitenachsen umschlossenen Mittelteil. Das Eingangsportal besteht ebenfalls aus drei Bögen. Die Front krönt ein mächtiges Dachgesims und eine Attika mit einer figuralen Statuengruppe aus Sandstein der Allegorie der Psychiatrie und Gesundheit und dem mährischen Landesadler von Adolf Loos d.Ä. Auftraggeber war der mährische Landesausschuss, und der Bildhauer hat für seine Arbeit 3649 Gulden erhalten. Das Material für die Herstellung der Statuengruppe bezog er aus dem österreichischen Sandsteinbruch St. Margarethen
Das fertiggestellte Werk wurde zunächst im Atelier des Bildhauers ausgestellt, wo es sich der mährische Statthalter Adolf Freiherr von Poche und der mährische Landeshauptmann Graf Emmanuel Dubský von Třebomyslice angesehen haben. Die feierliche Enthüllung des Monuments fand am 19. Juni 1863 um vier Uhr nachmittags im Beisein von wichtigen Persönlichkeiten statt.
Pavla Cenková