Als Brünn nach den napoleonischen Kriegen seine Funktion als militärische Festung verlor, wurde auf der Fläche der beseitigten Stadtbefestigung unterhalb des Petersberg der Park Franzensberg neu angelegt. In die Mitte des beliebten Ausflugsziels wurde bereits 1818 ein Obelisk errichtet, der an das Ende der napoleonischen Kriege erinnerte, wodurch die Stadt eine neue klassizistische Dominante erhielt. Am heutigen Schillingerplatzes (Šilingrovo náměstí) hatte bis 1852 ein Brünner Stadttor gestanden, durch das der Weg über die Bäckergasse (Pekařská) nach Alt-Brünn führte. Nach seinem Abriss wurde diese Stelle für neue Bauten frei, was auch dadurch noch begünstigt wurde, dass Brünn offiziell keine Festungsstadt mehr war. Die Stadt Brünn ließ im Jahr 1855 den Stadthof errichten, der eines der ersten modernen Mietshäuser der Stadt und seiner Art nach ein Vorbild für den weiteren Wohnungsbau wurde. Diesen hat der junge Baumeister und Unternehmer Moritz Kellner (später mit dem Adelsprädikat von Brünnheim) in Angriff genommen, der auch den Bau des Stadthofs nach einem Entwurf von Franz Fröhlich durchgeführt hatte. Er erwarb nämlich ein außerordentliches, gegenüber dem Stadthof gelegenes Grundstück, das sich am Rand des Petersbergs befand und eine Aussicht auf den Obelisken und den Park Studánka hatte. Im Jahr 1857 wurde dort der Bau des Mietshauses fertiggestellt, das zusammen mit dem Nachbarhaus (heute Husova 5) die damals im Entstehen begriffene und nach der österreichischen Kaiserin und Gattin von Franz Josef I. benannte Elisabethstraße begrenzte. Die städtebauliche Gestaltung des Schillingerplatzes und der angrenzenden Straße hatte Josef Esch bereits 1845 festgelegt, worauf mehrere Entwürfe für die Regulierungspläne der Ringstraße folgten.
Den letzten Wettbewerb von 1862 gewann Franz Neubauer gemeinsam mit Moritz Keller, der nach und nach zu einem der produktivsten Baumeister von Brünn wurde. Das Mietshaus in der Straße Husova 3 besaß er bis zu seinem Tod im Jahr 1909, danach fiel es seiner Tochter Mauritia Fontaine von Felsenbrunn und ab 1915 Franz Popper zu, dessen Vater das Nachbarhaus Nr. 5 gehörte. Wegen seiner jüdischen Abstammung hatten die Nazis Poppers Haus beschlagnahmt, und da er aus dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr zurückkehrte, ist es der Stadt zugefallen, das es nun für die Bedürfnisse des Magistrats nutzt. Die Luxuslage des Hauses hatte es dazu vorherbestimmt, von der oberen, vornehmlich aus dem deutschsprachigen Brünn stammenden Mittelschicht bewohnt zu werden. Im Jahr 1870 lebten dort beispielsweise der Präsident des Landgerichts und Besitzer der Gutsherrschaft Kosteletz in der Hanna Johann Graf Mazzuchelli, der Buchhändler und Buchdrucker Ferdinand Buschak oder der ehemalige Abgeordnete und Bezirkshauptmann von Ungarisch Hradisch (Uherské Hradiště) Ignatz Ritter von Wessely, bis 1883 bewohnte es der Baumeister Felix Fanderlik. Neben Vertretern des Adels, der Lehrerschaft, des Unternehmertums und der Geschäftsleute zogen nach der Entstehung der Tschechoslowakei auch Tschechen und Tschechinnen in das Haus ein, darunter beispielsweise der Textilwarenhändler Jan Kopřiva, der pensionierte Justizrat Karel Krška oder die Direktorin der Mädchenschule in der Straße Veveří Marie Průšová. Die ursprünglich ruhige und an den Franzensbergpark grenzende Sackgasse erlebte unter dem Protektorat Veränderungen – im Jahr 1941 wurde die Verlängerung der Straße bis zur Straße Nové Sady feierlich eröffnet, und seit 1943 fahren dort Straßenbahnen. Moritz Kellner hat das Haus wahrscheinlich nach seinem eigenen Entwurf in den gemäßigten Formen der Neorenaissance gebaut, die offensichtlich Ende des 19. Jahrhunderts noch weiter reduziert wurden. Die Fassaden gliederte er mit von Faschen gerahmten Fensterbändern mit markanten Fensterbrüstungen, in die zum Park gerichtete Fassade setzte er drei mit subtilen Geländern versehene Loggien. Im Vergleich zum Stadthof fehlen bei Kellners Mietshaus die fast filigranen Details des Fassadendekors. Die vom Dachgesims herunterhängenden Außenschabracken wirken mit ihren neoromanischen Elementen fast flächig, ebenso verraten die etwas schwerfällig geschnittenen Faschenabschnitte unter den Fenstern der beiden Obergeschosse einen in den Quellen bislang nicht belegten Eingriff vom Ende des 19. Jahrhunderts.
Matěj Kruntorád