Auf dem betreffenden Grundstück hatte vormals ein älteres Haus gestanden, das ab 1867 Marie Tichá und ab 1898 Karel Tichý gehörte und sich ab 1910 im gemeinsamen Besitz von Jan, Karel und Marie Tichý befand. Sie wandten sich offenbar 1912 an den Architekten Bohumír František Antonín Čermák, damit er für sie ein neues Mietshaus entwerfe. Der Bau wurde jedoch erst 1915 ausgeführt, als die Immobilie bereits den neuen Eigentümern Else und Hugo Fanta gehörte. Die Genehmigung für den Abriss des ursprünglichen Gebäudes und den Bau des neuen Mietshauses einschließlich eines einstöckigen Gebäudes im Hof hat Else Fantová im Mai 1915 erhalten. Der damals junge Architekt Bohumír F. A. Čermák war nach seinem Studium in Wien nach Mähren zurückgekehrt und gehörte in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg in Brünn zu den Hauptvermittlern der zeitgenössischen Wiener Architektur. Der zweisprachige Architekt hat sich in der national gemischten Umgebung des damaligen Brünns schnell als einer der wenigen Architekten durchgesetzt, die sowohl für tschechische als auch für deutsche Auftraggeber arbeiteten. Der ästhetisch erlesene Bau ist ein typisches Beispiel für die unprätentiöse Eleganz von Čermáks Vorkriegswerk, das durch seine strenge Symmetrie, seine vollkommene harmonische Ausgewogenheit und seine dekorative, jedoch reine Form charakteristisch ist. Die Fassade des Hauses erinnert bis heute an die Zeit, in der man nach neuen Ausdrucksformen im Geiste der Theorien Otto Wagners über Zweckmäßigkeit und Schönheit suchte, die im Gegensatz zur opulenten Dekorativität des Späthistorismus und auch des Jugendstils standen. Im damaligen Brünner Kontext haben Čermáks Entwürfe das Wagnersche Ideal der Architektur der neuen Ära offenbar am treffendsten verkörpert. Das fünfstöckige Mietshaus hat eine vieraxiale vertikal komponierte symmetrische Fassade, die über dem Erdgeschoss durch hohe Lisenen gegliedert ist. Die Fenster im zweiten Stockwerk und die Fensterbrüstungen in den Mittelachsen der Obergeschosse rufen mit ihrer bauchigen Form den Eindruck von Erkern hervor. Bei ihnen handelt es sich um das häufig zitierte Motiv eines englischen Bay window, wodurch man die Bewunderung der Kultur und des Lebensstils der Engländer zum Ausdruck brachte. Erker oder Erkerelemente fanden in Čermáks Werk eine breite Anwendung, Der Architekt verwendete sie praktisch bei all seinen Bauten. Ein weiteres markantes Fassadenmotiv ist der durchgehende Balkon mit dekorativ gestalteter Brüstung. In dieser Hinsicht weist die Lösung eine deutliche Analogie zu dem von Dušan Samo Jurkovič entworfenen Haus von Eugen Škarda in der Straße Dvořákova Nr. 10 auf. In dem gemäßigten Dekor der Fassade wurden verschiedenartige geometrisierende, florale, anthropomorphe und zoomorphe Elemente verwendet.
Das stark hervorstehende, abgestufte Dachgesims wird von markanten, mit Löwenköpfen versehenen Konsolen getragen, ein Motiv, das Čermák auch bei anderen seiner Brünner Bauwerke verwendet hat. Im Erdgeschoss befand sich ein großer Kinosaal, für den Čermák eine Stahlbetonkonstruktion verwendete, die damals zu den innovativsten Bautechniken zählte. Die Lizenz zum Betreiben des Kinos hatte Else Fantová am 12. Juli 1913 beantragt, erteilt wurde sie ihr jedoch erst am 18. Dezember 1918. Das Kino Bio Universum wurde dann in den Jahren 1918‒1935 betrieben und war in jener Zeit das größte und modernste Brünner Kino mit fast ausschließlich tschechischem Programm. Im Jahr 1929 stellte es als erstes Kino in Mähren auf Tonfilm um. In den Räumen des Hauses war in den Jahren 1927‒1929 auch das Studio des Brünner Senders Radiojournal untergebracht, nach Prag die älteste Sendestation der Tschechoslowakei. Ende 1935 ging Else Fantová in Konkurs, und das Haus und der Kinosaal gingen 1936 in den Besitz des Hauptgläubigers, der Anglobank, über, die es an die Kinobetreiberfirma Moravia verpachtete. In demselben Jahr machte das Erdgeschoss mit dem Kinosaal einen von Jindřich Kumpošt entworfenen modernen Umbau durch und wurde 1936–1948 unter dem Namen Bio Metro, 1949–1953 dann als Kino Morava weiterbetrieben. Dort wurden bis 1953 Filmvorführungen gezeigt, als das Objekt unter die Verwaltung des Mahen-Schauspiel-Staatstheaters geriet. Der Architekt Lubor Lacina hat daran anschließend eine Adaption des Saales für die Bedürfnisse des Theaters entworfen, und ab dem 1. Januar 1954 wirkte dort das Brüder-Mrštík-Theater. Seit Beginn der neunziger Jahre des letzten Jahrhunderts hat dort die Schauspielbühne des Stadttheaters Brno ihren Sitz, für welches das Interieur erneut umgestaltet wurde, und zwar nach einem Entwurf von Miroslav Melena, von dem auch das heutige Parterre mit dem halbkreisförmigen Vordach stammt. Im Jahr 2004 wurde der Komplex des Stadttheaters nach einem Entwurf der Architekten Roman Mach und Jozef Kubín um einen im Hoftrakt errichteten Neubau für die Musikbühne ergänzt.
Pavla Cenková