Das Doppelhaus in der Straße Lužova Nr. 4–6 ist ein gut erhaltenes Beispiel für anspruchsvoller konzipierte Villenbauten aus der späteren Bauetappe des Vereinsviertels. In der Straße Lužova wurden 1905 die Häuser Nr. 4, 6 und 8 als Bautyp Nr. XIII und 1906 dann Haus Nr. 10 als Bautyp Nr. XIV errichtet. Von der ganzen Gruppe blieb lediglich das Doppelhaus Lužova 4‒6 verhältnismäßig authentisch erhalten, dies vor allem wegen seines Denkmalstatus, über den es bis vor kurzem verfügt hat. Der Besitzer von Haus Nr. 4 war der Drucksetzer Johann Leitner und von Haus Nr. 6 der Geschäftsmann Franz Woharek. Die jetzige Form beider Straßenfassaden ist das Ergebnis späterer Umbauten. Dem Entwurf des Bautyps Nr. XIII nach hatten beide Häuser nur an ihrer Berührungsseite eine zweistöckige Fassade, an den Außenseiten schloss dann an einen Risalit eine ebenerdige Holzveranda an, von der aus man in die Zweizimmerwohnung im Erdgeschoss gelangte. Haus Nr. 4 ließ sein Besitzer Johann Leitner 1928 bereits umbauen, als nach einem Entwurf des Baumeisters Adolf Knirsch ein Anbau und ein Überbau hinzukam. Weitere bauliche Veränderungen erfolgten dann noch im Jahr 1936, als nach den Plänen von Ing. F. K. Frank der Hof ausgebaut wurde. Vor kurzem kam dann zu dem historischen Haus noch ein moderner Anbau im Hof hinzu. Bei Haus Nr. 6 wurde irgendwann im Laufe des 20. Jahrhunderts die Holzveranda in einen Wohnraum im Erdgeschoss umgewandelt, anschließend hat man die linke Seite um ein Geschoss aufgestockt. Die dreiaxiale Fassade beider Haushälften haben einen zentralen, leicht hervorspringenden Risalit mit romantisierenden Balkenkonstruktionen in den Giebeln. Die einzelnen Achsen werden von Pilastern mit Gesimskapitellen gerahmt und horizontal von breiten Kordonbändern gegliedert. Die Innenflächen der Fassaden wurden in unverputztem Backsteinmauerwerk ausgeführt, während die im geometrischen Jugendstil gehaltenen dekorativen Elemente verputzt sind. Die reich gegliederten, mit markanten Suprafenestren und Brüstungsgesimsen versehenen Fenster sind im Erdgeschoss rechteckig und die Fenster im zweiten Stock werden von einem Segmentbogen abgeschlossen. Die segmentbogenartig geformten Portale aus Kunststein akzentuieren die zentral gesetzten Eingänge. Die wirkungsvolle architektonische Formgebung des Hauses wird somit durch den Kontrast von unverputztem Mauerwerk und hellen Putzen charakterisiert, ergänzt von dekorativen Holzkonstruktionen. Diese Verbindung rief einen Eindruck von Pittoreskheit hervor, die zu den wichtigen Werten zählte, die mit dem für Familien idealen Wohntypus in Verbindung gebracht wurde. Das Familiendoppelhaus in der Straße Lužova zählt zu den am besten erhaltenen Objekten des Vereinsviertels und stellt somit ein sehr wertvolles Baudenkmal dieses einzigartigen Ensembles einheitlich komponierter Wohngebiete für Familien dar. Obwohl wir die Urheber der Entwürfe der einzelnen Gebäudetypen bislang noch nicht kennen, handelt es zweifellos um eine bemerkenswerte Jugendstilbebauung mit deutlich erkennbaren architektonischen Qualitäten.
Pavla Cenková