Das Mietshaus mit den architektonisch markant modellierten Fassaden an der Straßenecke Špitálka und Stavební zählt zu den ausgeprägtesten Brünner Jugendstilgebäuden. Es handelt sich um eines der wenigen wertvollen Wohnobjekte inmitten eines Industrieareals in einem ehemaligen Fabrikviertel, das die städtebauliche Dominante der umliegenden Bebauung bildet. Das Haus ist mit der Persönlichkeit seines Bauherrn und wahrscheinlich auch Architekten, dem Baumeister Augustin (August) Butscha (1855‒1925) verbunden. Butscha stammte aus Náměšt nad Oslavou, hatte die Spezialschule für Architektur an der Akademie der bildenden Künste Wien absolviert und blieb zunächst in Wien, danach arbeitete er im österreich-ungarischen Sarajevo. Ab 1894 war er als Baumeister in Brünn tätig, wo er unter anderem am Bau des ausgedehnten Baukomplexes des städtischen Schlachthofes beteiligt war, der 1897‒1899 nach dem Entwurf von Otokar Burghart und Ferdinand Abt gebaut wurde. In den Jahren 1915–1925 arbeitete er als Angestellter in der Architekturabteilung des Bauamtes der Stadt Brünn. Sein eigenes Mietshaus errichtete er im Jahr 1903, das er bis zu seinem Tod am 12. Januar 1925 besaß. Ab 1907 war Hubert Sýkora Miteigentümer des Hauses, nach Butschas Tod ging sein Anteil auf seine Schwester Wilhelmina über, ab 1930 war Marie Sýkorová dann alleinige Eigentümerin des Hauses. Das zweiflügelige vierstöckige Eckhaus hat eine symmetrisch komponierte siebenaxiale Fassade, die einen stumpfen Winkel bildet und von einem regelmäßigen Raster rechteckiger Fenster durchbrochen wird. Die radikale Jugendstilarchitektur des Hauses zeichnet sich insbesondere durch seine expressive Form mit gegliederter Attika, monumentaler Vertikalität und reicher Dekorativität der Fassaden mit vorherrschendem geometrischem Dekor aus. Die Fassaden sind vertikal durch eine vier Stockwerke hohe Pilasterreihe gegliedert, horizontal dann durch einen rustizierten Sockelbereich, der von einem profilierten Kordongesims abgeschlossen wird. An den äußeren Achsen und an den Ecken wird die dominante Partie beider Fassaden durch Risalite geformt, die von an Turmzinnen erinnernde Attikaaufbauten gekrönt sind. Und oben, in den Flächen zwischen den Risaliten, von einem massiven, von Konsolen getragenen Dachgesims. Die Ecke selbst wird durch eine zwischen den Eckrisaliten eingefügte Halbsäule mit hohem rustifiziertem Sockel und massivem toskanischem Kapitell akzentuiert. Das reiche reliefartige Stuckdekor konzentriert sich überwiegend auf die Flächen zwischen den Fenstern und auf die Rümpfe und Kapitelle der Pilaster, wodurch die monumentale Vertikalität der Fassade hervorgehoben wird. Die Brüstungsfüllungen zwischen den Stockwerken tragen eine Reihe von geometrischen Jugendstilmotiven, unter den Fenstern des vierten Stockwerks erscheint das runde Motiv einer geflügelten Sonnenscheibe, das auch in den schiffförmigen Suprafenestren über den Fenstern des zweiten Stockwerks der Risalite auftaucht. Die Pilaster werden von Kapitellen in Form von Triglyphen abgeschlossen, ergänzt durch Kranzreliefs und verflochtene Bänder, in den Risaliten dann durch kannelierte Voluten, umgeben von einem reichen vegetabilen Dekor und wiederum langen Bändern, die die Reliefkreise durchschneiden und vertikal in das abschließende untere Flechtwerk fallen. Die ursprüngliche Eingangstür des Hauses ist erhalten geblieben, ebenso die Tür und das Schaufenster des Geschäftparterres an der Ecke.
Pavla Cenková