Adolf Loos

Architekt/ka

Adolf Loos wurde im Jahre 1870 in Brünn in die Familie eines Steinmetzen und Bildhauers geboren. Seine Gymnasialjahre verbrachte er in Brünn, Jihlava, Liberec und Melk, das Abitur legte er an der Deutschen Staatsgewerbeschule in Brünn ab. Sein Architekturstudium, das er an der Wiener Akademie für angewandte Kunst begann und an der Technischen Hochschule in Dresden fortsetzte, schloss er nie ab. Neue Erkenntnisse bescherte ihm seine Reise in die Vereinigten Staaten; die Ideen von Louis H. Sullivan veranlassten ihn zu Reflexionen über die Notwendigkeit der Ablehnung des Ornaments. 1896 ließ sich Loos in Wien nieder und gründete hier im darauffolgenden Jahr ein eigenes Planungsbüro. Als einer der Wiener Intellektuellen publizierte er zahlreiche Texte, in denen er den Jugendstil und den bürgerlichen Geschmack scharf kritisierte. Seine radikale Einstellung zur Architektur – beispielsweise verkörpert im Anbau des Kaufhauses Goldman & Salatsch in Wien (1911) – fand nichtsdestoweniger seine Anhänger, und zwar sowohl in Wien als auch in Brünn und Pilsen. Im Jahre 1912 gründete Loos eine eigene Architekturschule. 

Anfang der 1920er Jahre wurde Loos zum leitenden Architekten des Wohnungsbaus der Stadt Wien ernannt, was ihn u.a. zu Entwürfen kostengünstiger Wohnbauten veranlasste. Nach einem Aufenthalt in Brünn zwischen 1923 und 1924 verbrachte er die Jahre 1924–1928 in Paris. Hier realisierte beispielsweise ein Haus mit Atelier für Tristan Tzara. Größerer Erfolg wurde ihm Ende der 1920er Jahre in der Tschechoslowakei zuteil, als er an seine frühere Tätigkeit in Pilsen anknüpfte und zusammen mit anderen Architekten eine Reihe von Interieurs entwarf. Außerdem plante er zusammen mit Karel Lhota in Prag die Villa Müller und die Villa Winternitz. Die letzten Jahren seines Lebens verbrachte Loos auf Reisen zu seinen Auftraggebern sowie in Kurorte, wo er seine angeschlagene Gesundheit kurierte.

Adolf Loos verstarb im August 1933 im Sanatorium Kalksburg bei Wien. Ein Jahr später wurde sein Leichnam auf den Wiener Zentralfriedhof überführt, wo seine letzte Ruhestätte mit einem Grabmal nach seinem eigenen Entwurf versehen wurde. Das Grabmal war laut Loos neben dem Denkmal das einzige architektonische Element, das als Kunst bezeichnet werden kann. Die Meinung, dass Architektur keine Kunst sei, übernahm von Loos eine ganze Generation von Funktionalisten. Ähnlich wie ihnen war auch Loos an einer funktionsgemäßen Planung der Räume gelegen – nichtsdestoweniger bestand sein Konzept des sogenannten Raumplans in der Anordnung der einzelnen Räume inunterschiedlicher Höhe. In einer ganzen Reihe weiterer Themen unterschieden sich die Meinungen Loos’ und die der Funktionalisten noch deutlicher. So blieb Adolf Loos bis zum Ende seines Lebens ein formaler Purist, der die architektonische Tradition anerkannte, sich zur Symmetrie bekannte und das natürliche Ornament des Materials bewunderte.


LV

Architekt/ka
Adolf Loos

Geburtsdatum
10.12.1870 Brno

Todesdatum
23.08.1933 Kalksburg u Vídně

Literatur
Maria Szadkowska. Adolf Loos – dílo v českých zemích. Praha, 2009.
Petr Domanický, Petr Jindra. Loos – Plzeň – souvislosti. Plzeň, 2011.
Burkhard Rukschcio, Roland Schachel. Adolf Loos Leben und Werk. Salzburg und Wien, 1982.
Věra Běhalová. Pilsner Wohnungen von Adolf Loos. Bauforum. Wien, 1970. III, 21. s. 56.
Jindřich Chatrný, Dagmar Černoušková. Brněnské stopy Adolfa Loose. Brno, Muzeum města Brna, 2010.
Jindřich Chatrný, Dagmar Černoušková. Brněnské stopy Adolfa Loose. Brno, Muzeum města Brna, 2010.
Jean-Louis Cohen. Ludwig Mies van der Rohe. 2007.
Jean-Louis Cohen. Ludwig Mies van der Rohe. 2007.
Veronika Čadová. Adolf Loos a Plzeň : Výběrová bibliografie. Plzeň, Knihovna města Plzně, 2011.
Leslie Van Duzer. Adolf Loos v českých zemích. Adolf Loos: dílo a rekonstrukce: mezinárodní sympozium u příležitosti 70. výročí úmrtí: Plzeň 15.-16. října 2003, Západočeské muzeum. Praha, Muzeum hlavního města Prahy, 2005.
Claire Beck-Loos. Adolf Loos : Privátní portrét. Praha, 2013.
Marcela Macharáčková. Jiří Kroha (1893-1974) architekt, malíř, designer, teoretik v proměnách umění 20. století. Muzeum města Brna, 2007.
Marcela Macharáčková. Jiří Kroha (1893-1974) architekt, malíř, designer, teoretik v proměnách umění 20. století. Muzeum města Brna, 2007.
Markus Kristan. Adolf Loos Villen. Wien, 2001.
Anděla Jahelková. Vliv Adolfa Loose na československou architekturu. Brno, 1974.
Zemanova kavárna v Brně na Kolišti. Stavitel. 1926. VII.
Zemanova kavárna v Brně na Kolišti. Stavitel. 1926. VII.
Maria Szadkowska. Opomíjený Loos v Plzni: zachovat unikátní soubor interiérů. Architekt. 2003. XLIX, 3.
Lenka Kudělková. Adolf Loos: Sympozium o osobnosti a díle v Plzni. Prostor Zlín. 2004. XI, 1.