Mietshaus von Ignatz Wohlmuth

Noch vor Mitte des 19. Jahrhunderts stand an der Stelle des heutigen Hauses in der Straße Straße Koliště Nr. 45 ein einstöckiges Fabrikgebäude von Johann Nepomuk Peschina, in dem feine Stoffe hergestellt wurden. Das Gebäude wurde in den fünfziger Jahren von dem Fabrikanten und Tuchhändler Gustav Haas gekauft, der es zusammen mit dem Kaufmann Carl Turetschek zu einem Geschäftshaus umbaute, in dem Textilien und Wollwaren angeboten wurden. Das heutige Gebäude stammt jedoch erst aus den Jahren 1883–1884, als es der Unternehmer Ignaz Wolmutz, der das Haus in der exponierten Lage am Außenring der Ringstraße in den siebziger Jahren kaufte und an der Stelle des Geschäftshauses ein vierstöckiges Mietshaus errichten ließ. Der Neubau knüpfte höhenmäßig und stilistisch an das Nachbarhaus Nr. 47 an, wobei die symmetrische Neorenaissancefassade beider Gebäude die breitere Strömung der Typologie von Mietshäusern widerspiegelt, die im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts nicht nur die im entstehen begriffene Ringstraße, sondern auch die neuen Wohnviertel in den ehemaligen Brünner Vororten formten. Das Haus wird durch mit reichem Stuckdekor versehene Seitenrisalite und durch Serlianen (Palladio-Motiv) sowie vor allem durch das hohe Dach mit seitlichen Überbauten französischen Typs akzentuiert, die es von ähnlichen Gebäuden unterscheidet. Hypothetisch kann die Urheberschaft aufgrund einer Formanalyse und eines Vergleichs dem Brünner Baumeister und Architekten Josef Arnold (in dessen Fall es sich um eines seiner letzten Brünner Bauten handeln würde), eventuell dem um eine Generation jüngeren Baumeister Eduard Exner zugeschrieben werden, der in der Zeit von 1860–1870 bei Arnold beschäftigt war.

Im Jahr 1904 wurde das Haus mit dem ausgedehnten, der Straße Ponávka zugewandten Grundstück (36 x 50 m) von der Jüdischen Gemeinde mit der Absicht erworben, dort eine neue Synagoge zu errichten, da die bestehende Große Synagoge wegen der zunehmenden Zahl der jüdischen Einwohner Brünns nicht mehr ausreichte. Im Haus selbst wurde ein jüdisches Vereinshaus eingerichtet, in dem die wichtigsten Institutionen und Vereine untergebracht waren. Im hinteren Teil des Grundstücks entstand in den Jahren 1905–1906 das dreischiffige Gebäude der Neuen Synagoge nach einem Entwurf des aus Proßnitz (Prostějov) stammenden Wiener Architekten Max Fleischer (1841–1905). Baumeister war Alfred Zeisel, das Gotteshaus wurde am 13. 9. 1906 im Beisein der Stadtvertreter feierlich eingeweiht. Der freistehende, 18 x 32 m große Neubau hatte ein Trägersystem aus Stahlbeton, eine von christlichen Vorbildern beeinflusste basilikahafte Disposition, und für die gemäßigten Fassaden wurde zu einer neoromanischen Formgebung mit bogenförmigen Friesen gegriffen. In dem von halbrunden Bögen gegliederten Innenraum befanden sich 324 Sitzplätze für Männer und 250 Sitzplätze auf den Frauengalerien, der Eingang führte von der Straße Koliště durch das Vereinshaus.   Während des Zweiten Weltkriegs wurde zuerst das Vereinshaus von den Nazis beschlagnahmt, spätesten 1941 auch die Synagoge, die anschließend als Lager für beschlagnahmtes jüdisches Eigentum diente. Bei den 1944 erfolgten Luftangriffen der Alliierten auf Brünn wurde die Synagoge schwer beschädigt. Da sich die dezimierte jüdische Gemeinde ihren Wiederaufbau nicht hatte leisten können, ging das Haus in der Straße Koliště und auch die Synagoge in den Besitz des Gesundheitsministeriums über, wonach das provisorisch instandgesetzte Gottehaus ohne ordentliche Instandhaltung als Lager genutzt wurde. Obwohl über eine kulturelle Nutzung der Synagoge Studien angefertigt wurden, fand sich für sie kein Kaufinteressent, und das Gebäude wurde vom Areal des Unfallkrankenhauses verschlungen, auf dem es letztendlich dem Druck es abzureißen nicht standhielt und zur Jahreswende 1985/1986 abgerissen wurde. Einige wertvolle architektonische und Zierelemente wurden vor dem Abriss in das Depot des Museums der Stadt Brno gebracht. An der Stelle, an der die Synagoge stand und an die eine Gedenktafel am Gebäude des Unfallkrankenhauses erinnert (Ponávka-Str. 10), befindet sich heute ein Parkplatz, die Krankenhauseinfahrt und der Verbindungsweg zu den einzelnen Gebäuden des Krankenhauses. Das Haus in der Straße Kolišti Nr. 45 wurde nach dem Krieg vom Staat verwaltet und verfällt – da langfristig ungenutzt – zunehmends, obwohl sich die jüdische Gemeinde schon eine Reihe von Jahren erfolglos um seine Rückgabe bemüht.

Karolína Králiková

Name
Mietshaus von Ignatz Wohlmuth

Typ
Wohngebäude

Adresa
Koliště 140/45, Brno

GPS
49.197217,16.615092

Literatur
Pavel Zatloukal. Brněnská architektura 1815–1915. Průvodce. Brno, Obecní dům Brno, 2006.
Jaroslav Klenovský. Židovské památky Brna : stručná historie židovského osídlení Brna. Brno, 1995.
Heslo v Památkovém katalogu:. Dostupné z: https://pamatkovykatalog.cz/najemni-dum-ignatze-wohlmutha-18453268
Nájemní dům Ignace Wohlmutha v Encyklopedii Brna. Dostupné z: https://encyklopedie.brna.cz/home-mmb/?acc=profil-domu&load=263