Die Straße Joštova wurde erst nach und nach zu einer der städtischen Prachtstraßen. Vor dem Abriss der barocken Stadtbefestigung hat sich ihre aus einer Bäckerei des Militärs bestehende Südfront gegenüber dem Fröhlichertor (Veselá brána) befunden, nach dem auch die Straße hieß (Fröhlichertorstraße – ulice U Veselé brány). Nach dem Abriss der Stadtmauern Ende der fünfziger Jahre des 19. Jahrhunderts bot sich dem Ort der Raum, für die vollständige Entfaltung einer städtischen Prachtstraße. Bereits auf einer Karte von Brünn aus dem Jahr 1868 sehen wir in der Straße Joštova Nr. 3 ein neues Haus, das offenbar der Stadt gehörte. Im Jahr 1874 hat dort mindestens ein dreistöckiges Mietshaus gestanden, in dem die Stadt Mietwohnungen mit Dienstmädchenzimmer anbot. Es war bestimmt ein vorzüglicher Standort – ab 1870 direkt gegenüber dem Gebäude des städtischen Interimstheaters, in Gehnähe von den Parks Glacis (Koliště) und Mährischer Platz (Moravské náměstí) – und diente den höchsten Gesellschaftsschichten zum Wohnen. Im Jahr 1877 verstarb in dem Haus beispielsweise der Landesgerichtsrat Josef Schön von Liebingen, und 1881 wohnte dort der Theaterdirektor Carl Joseph von Bertalan. Einen neuen Impuls für den Aufschwung und die Modernisierung der Bebauung der nahen Umgebung bot der 1883 erfolgte Abriss des Interimstheaters. Damals gehörte das Haus Nr. 3 Gabriele Raabl von Hauenfrauenstein, die es für 45.000 Gulden an den Direktor des Brünner Gaswerks Georg Körting verkaufte. Genau in dieses Jahr datiert Pavel Zatloukal die Entstehung des bis dahin dort stehenden Hauses, das von Eduard Exner angeblich entworfen und vielleicht auch errichtet wurde. Aufgrund einer Analyse der historischen Karten von Brünn scheint es jedoch, dass, falls 1883 dort überhaupt irgendein Bauvorhaben stattgefunden hat, die Bausubstanz des Hauses dabei nicht verändert wurde und sich eher in der Gestaltung seiner Fassaden zeigte. Das Haus blieb bis 1913 in Körtings Besitz, als es Berta Zuisch kaufte, die mindestens bis 1890 in dem Haus gewohnt hat, zuerst mit ihrem Mann, dem Anwalt Carl. Das Haus diente weiterhin als Wohnstätte der höheren Brünner Gesellschaftsschicht, die sich aus hohen Beamten der Stadt und des Landes, Richtern und Professoren zusammensetzte, in der Regel mit mindestens einem Bediensteten.
Die hohen Ansprüche der Mieter des Hauses wurden nicht nur durch seine Lage an einer modernen Straße, sondern auch durch die Architektur erfüllt. Die Fassade des vierstöckigen Hauses ist streng axial im Stil der Neorenaissance konzipiert. Die äußersten Achsen werden durch leicht vorspringende Risalite hervorgehoben, die von halbrunden attikaartigen Giebeln abgeschlossen werden. Die Fenster des ersten und zweiten Stocks weisen markante Suprafenestren auf, die von Pilastern mit Frauenbüsten gestützt werden, die korinthische Kapitelle tragen, auf denen ein mit einem Mäander und einem Palmenfries verzierter doppelter Trägersturz aufliegt. Auf die Antike verweisende ornamentale Details findet man auch in den umrahmten Giebeln, wo neben Palmen auch Akroterien zu sehen sind. Die Fenster der äußersten Achsen werden im ersten Stock von mit Lorbeerkränzen geschmückten Karyatiden ergänzt. Die souverän ausgeführten Ziermotive bestehen offenbar zum Teil aus Terrakotta und zum Teil aus Stuck und fallen mit ihrer Stilform in Exners Arbeiten vom Beginn der achtziger Jahre des 19. Jahrhunderts, als er am Anfang seiner Karriere eines Baumeisters stand, der eigene Entwürfe verwendete. Während der Ersten Republik erfolgte eine Umgestaltung der Fassaden des Erdgeschosses, indem die Gliederung vereinfacht und durch einen groben, grau gefärbten Hartputz ersetzt wurde, der an Stein erinnert.
Matěj Kruntorád