Die Außenfront der die Freifläche des Glacis vor der Stadtmauer abgrenzenden Häuser ist erst nach und nach ab Ende des 18. Jahrhunderts entstanden. 1837 hat Libor Josef Klein an der nahe gelegenen Kreuzung zur heutigen Straße Milady Horákové einige Häuser erworben. Klein stammte aus einer führenden Unternehmerfamilie, die Eisenbahnen und Straßen gebaut hat und Eigentümer des Stahlwerks in Sobotín u.ä. war. In den Jahren 1843–1846 ließ er sich in der Straße Koliště (Glacis) ein dreistöckiges klassizistisches Haus bauen, das achtzehn Fensterachsen lang war und dessen Aussehen auf einer einzigen, von Josef Homolka 1866 vom Turm der Thomaskirche aus gemachten Fotografie überliefert ist. Das erkennbar mit einer Bandrustika gegliederte Erdgeschoss wurde von den übrigen Stockwerken durch ein Kordongesims abgetrennt, über den Fenstern des ersten Stocks befanden sich Suprafenestren. Ins Haus führten zwei axial angeordnete Eingänge, über denen die Fassaden mit unterschiedlichen Fensterfaschen optisch hervorgehoben wurde. Hinter dem Haus erstreckte sich ein parkmäßig angelegter Garten, der an den einstigen Mittrowsky-Park anschloss, in dem sich ein Gewächshaus, ein Gartenpavillon und neben ihm ein Gasthaus befand. Der Ort war für Brünner Honoratioren ein beliebtes Ziel für Spaziergänge. Das ausgedehnte Mietshaus gehörte bis nach 1880 der Familie Klein, als es Emilie Frenzel, die Eigentümerin einer erfolgreichen Seifenfabrik erwarb. Frenzel wurde kurz nach 1900 von dem Bankier und Fabrikanten Leopold Haupt von Buchenrode abgelöst. Nach dessen Tod 1904 hat dessen Sohn Stephan, der 1954 in Brasilien starb, das Haus übernommen. Im Jahr 1870 wurde das Haus außer von den Kleins noch von einigen höheren Militäroffizieren sowie von Vertretern der höheren deutschsprachigen Gesellschaftsschicht bewohnt. Im Hof standen ihnen ein Pferdestall und ein Kutschenhaus zur Verfügung, bis zu acht Zimmer große Wohnungen wurden auch von Bediensteten bewohnt. Einige Jahrzehnte hat der Fotograf Josef Kunzfeld in dem Haus gewohnt, dank dessen Aufnahmen wir wissen, wie Brünn in der Zeit des letzten Viertels des 19. und um das Jahr 1900 ausgesehen hat. Entgegen überlieferten Informationen hat der Baumeister und Architekt Josef Arnold nicht in dem Haus gewohnt. Er besaß zwar ein Haus in der Straße Koliště (Glacis), jedoch am ehemaligen Theresien-Glacis, nicht am Carls-Glacis. Die Baugeschichte des Hauses ist mit einigen Unklarheiten verbunden. In der Literatur ist von einem 1863 von Heinrich Ferstel durchgeführten Umbau des Hauses die Rede, Homolkas Fotografie von 1866 hat jedoch ein klassizistisches Vorstadthaus festgehalten, dessen Aussehen Ferstels Eingriff praktisch ausschließt. Unzweifelhaft belegt ist demgegenüber der markante, von Stephan Haupt von Buchenrode veranlasste Umbau, der auf einen Entwurf von Leopold Bauer aus den Jahren 1913–1914 zurückgeht. Er ließ Haus Nr. 7 abgereißen, an dessen Stelle ein vierstöckiger Neubau entstand, das alte Haus Klein wurde laut zeitgenössischer Presse um ein Geschoss aufgestockt und das Aussehen der Fassaden mit dem neuen Haus vereinheitlicht. Darüberhinaus wurden Seitenflügel angebaut, von denen einer an das alte Haus und der andere (die heutige Nr. 21) an die sich im neuen Objekt befindende Hausdurchfahrt anschließt. Gut abzulesen sind die beschriebenen baulichen Veränderungen an der Hauptfassade, die einen Teil der älteren Gliederung in Form des mit falschem Bossenwerk versehenen Erdgeschosses, der Pilaster zwischen den Fenstern und des markanten Dachgesimses beibehalten hat. Bauer errichtete auf ihm ein neues Stockwerk in historisierenden Formen, denen er auch Verzierungsdetails vom Rest der Fassade angeglichen hat. Die Hofflügel verraten ähnliche Eingriffe, obgleich zeitgenössische Nachrichten berichten, sie seien neu gebaut worden. Falls der Teil des Hauses mit der Durchfahrt, von dem in der Presse als Neubau die Rede war, tatsächlich erst nach Bauers Entwurf entstand, würde das den Architekten als rein denkmalschützerischen Schöpfer ausweisen, der das Aussehen des daran anschließenden Hauses repliziert hat. Ende der achtziger Jahre des 20. Jahrhunderts erhielt das Haus einen bemerkenswerten kontextuellen, mit Blech beschlagenen Überbau, mit dem seine bauliche Entwicklung abgeschlossen wurde.
Matěj Kruntorád