Im Jahr 1886 ließ der Brünner Bischof Franziskus von Sales Bauer auf Initiative des Präsidenten des Roten Kreuzes Graf Felix Vetter von der Lilie aus Prag drei Schwestern der Kongregation der Grauen Schwestern der Franziskanerinnen herbitten, damit sie ein neues Kloster gründen, das im Falle eines Krieges vor allem der Krankenpflege dienen solle. Ab 1890 wohnten die Schwestern in dem neu errichteten dreistöckigen Kloster in der damaligen Waisenhausgasse (Sirotčí, heute Grohova) Nr. 18. Ein Jahr danach verkauften die Eheleute Perka das Nachbarhaus Nr. 16 an Bischof Bauer, der es der Kongregation für den Bau einer Kirche überließ. Im Laufe der folgenden Jahre erwarben die Schwestern auch Haus Nr. 14, wodurch in der Straße ein neues geistliches Zentrum für sechzig Schwestern entstand. Diese kümmerten sich in der Friedenszeit um die Kranken im St. Annenhospital und betätigten sich auch in Privathäusern als Krankenpflegerinnen, in Kriegszeiten waren sie jedoch verpflichtet, sich primär um verletzte Soldaten zu kümmern (was sie auch im Ersten Weltkrieg taten). František Přikrylas Baufirma hat im Jahr 1900 mit dem Bau des Hauses begonnen. Und zwar nach einem Entwurf von Karel Welzl, einem Schüler von Theophil Hansen, einem der bedeutendsten österreichischen Architekten. Welzl kam 1884 nach Brünn, nachdem er mit dem Bau des Prager Nationaltheaters Erfahrungen gemacht hatte. Er etablierte sich schnell als Lehrer an der tschechischen Staatsgewerbeschule und entwarf gemeinsam mit Vojtěch Dvořák Sakralbauten einschließlich Wiederaufbauten. Für die Kongregation der Barmherzigen Schwestern entwarf er eine Neorenaissance-Kirche, deren Fassade leicht hinter der Straßenflucht zurückgesetzt war, um Platz für einen Eingangsbereich mit Außentreppe zu schaffen. Dieser endete an drei Eingängen einer zweistöckigen Fassade, die durch einen zentralen Risalit mit einem von zwei Säulen getragenen Dreiecksgiebel akzentuiert wurde. Die Eingangsfassade wurde zusätzlich von einem Turm auf kreisförmigem Grundriss und einer Kuppel gekrönt. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Fassade im November 1944 bei einem Bombenangriff zerstört. Gleich nach dem Krieg wurde mit dem Wiederaufbau des Klostersareals, der Kirche und der Krankenpflegeschule nach einem Entwurf von Zdeněk Bažant begonnen, der die Fassaden aller drei Gebäude im spätmodernistischen Geiste vereinheitlichte. Die Kirche wurde dadurch hinter einer relativ weltlichen Fassade verborgen, die leicht mit einer Hausfassade verwechselt werden kann. An den sakralen Zweck des Gebäudes erinnnern die Reliefs von Engeln und der Heiligen Familie von Julius Pelikán. Die letzte Wiederherstellung des Gotteshauses erfolgte im Jahr 1990 unter der Leitung von Viktor Dohnal, nachdem der erzwungene Aufenthalt der Schwestern in Lechovice ein Ende hatte. Seitdem dient die Kirche wieder zu ihrem ursprünglichen Zweck.
Von der Straße aus führen drei große Tore und eine Treppe in die ursprünglich im Stil der Neorenaissance gestaltete Kirche. Die heutige Fassade bildet somit eine Hülle, die den älteren Kern verbirgt. Das Kircheninnere besteht aus einer dreischiffigen Basilika, die mit ihrem von einer Kassettendecke gekrönten Hauptschiff, den mit Emporen versehenen Seitenschiffen und dem geraden, durch einen Siegesbogen von einer gewölbten Kuppel getrennten Abschluss eindeutig auf römische renaissancezeitliche (und damit auch auf antike) Vorbilder verweist. Die Wände werden durch reichprofilierte Gesimse, Pilaster mit korinthischen Kapitellen und die aus Blüten- und Figuralmotiven bestehenden Stuckverzierungen gegliedert. Zusammen mit den Veränderungen der Kirche selbst hat auch ihre Inneneinrichtung Wandlungen durchgemacht, die eine interessante Sondage der konservativen Brünner Bildhauerkunst des 20. Jahrhunderts darstellt. Aus dem Jahr 1922 stammt die große Statue des Heiligen Herzens Jesu von František Prosecký. Nach dem Krieg lieferten die Brüder Kotrba neue Altäre (offenbar nach einem Entwurf von Klaudius Madlmayr, mit dem sie beispielsweise bei der Ausstattung der Kirche St. Kyrill und Method im Brünner Stadtteil Židenice zusammengearbeitet hatten). Zwei von ihnen wurden später jedoch in die Kirche des Brünner Stadtteils Slatina gebracht. Der heutige Altar wurde auf Viktor Dohnals Anregung hin von Miloš Vlček, einem Schüler und Mitarbeiter von Hermann Kotrba, im Jahr 1990 angefertigt. Die Kirche zur Heiligen Familie in der Straße Grohova ist im Rahmen der Brünner Sakralarchitektur ein außergewöhnlicher Bau. Die nüchterne modernistische Fassade birgt ein stilistisch reines Neorennaisance-Interieur, das in einer Zeit entstand, als in Brünn vor allem Jugendstilbauten errichtet wurden, und zwar auch im Falle von Sakralbauten – in diesem Stil sind nur einige Jahre nach Fertigstellung der Kirche zur Heiligen Familie die Kirche im Stadtteil Husovice und die Kirche in der Straße Křenová entstanden.
Matěj Kruntorád