Das Deutsche Haus, das vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs zu den Wahrzeichen der Innenstadt gehörte und an dessen Stelle sich heute der Park Moravské náměstí befindet, wurde seit seiner Errichtung im Jahr 1891 zu einer natürlichen Basis für die wachsende deutsche Frauenbewegung, insbesondere die der Mittelschicht.
Mit dem Deutschen Haus lassen sich die Aktivitäten der Brünner Jüdinnen und Evangelinnen in Verbindung bringen, die 1867 den Israelitischen Frauenverein Brünn und ein Jahr später den Evangelischen Frauenverein gründeten. Beide Vereine waren vor allem auf gemeinnützige Tätigkeiten innerhalb ihrer jeweiligen Religionsgemeinschaft ausgerichtet.
In den Vorständen beider Vereine finden wir die Ehefrauen wichtiger Vertreter der Kommunal- und Landesverwaltung sowie der industriellen Elite. Eine ähnliche indirekte Verbindung zum Deutschen Haus sehen wir beim Brünner Frauenerwerbsverein aus dem Jahr 1873, den man als deutsche Variante der tschechischen „Vesna“ bezeichnen kann. Die Schule genoss einen sehr guten Ruf, und der Verein erhielt regelmäßig Zuschüsse vom Handelsministerium, der mährischen Landratsamt, dem Landtag, dem Brünner Stadtrat, verschiedenen Adligen, Politikern und Sparkassen. Im Deutschen Haus organisierte auch der Patriotischer Frauen-Hilfsverein vom Rothen Kreuze für Mähren, gegründet 1879, Veranstaltungen. Traditionelle schulische und karitativ ausgerichtete Frauenvereine, die mit der höheren Mittelschicht und dem Adel in Verbindung gebracht werden können, wurden in den 1880er Jahren durch sozial vielfältigere Frauengruppen national ausgerichteter Vereinigungen ergänzt. Dies ging einher mit der allgemeinen Politisierung des öffentlichen Raums und der Emanzipation der Bauern-, Arbeiter- und katholischen Bewegung. Im Jahr 1884 entstand in Brünn eine lokale Frauen- und Mädchenabteilung des Deutschen Schulvereins, die später ebenfalls im Deutschen Haus ihren Sitz hatte.
Die Damen-, später Frauenabteilungen der sogenannten Schutzvereine und nationalen Verteidigungsverbände wuchsen im Zuge der fortschreitenden politischen und nationalen Polarisierung der mährischen Gesellschaft um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert. Die Brünnerinnen gründeten 1896 eine Frauengruppe des Bundes der Deutschen Nordmährens, 1905 dann eine Zweigstelle des Bundes der Deutschen Südmährens und zwei Jahre später eine Frauengruppe des Bundes der Germanen mit dem Namen Brunhilde. Als letzte entstand vor dem Jahr 1914 der Turnverein Deutscher Mädchenbund. Gemeinsamer Nenner ihrer Aktivitäten war die Organisation von Volksfesten, Wohltätigkeitsveranstaltungen und die Pflege der Verbundenheit mit dem Deutschen (z. B. Sonnenwendfeste, Gedenktage, Unterstützung südmährischer deutscher Studenten). Vor allem zwei Dachverbände standen offen zu ihrer feministischen Ausrichtung – zunächst der 1899 in Brünn gegründete Deutsche Frauenbund, der in der deutschen Frauenbewegung dieselbe organisatorische Rolle spielte wie das bereits erwähnte Mährische Frauenhaus. Ausgesprochen feministische Ziele verfolgte die Brünner Zweigstelle des Wiener Frauenstimmrechtskomitees, die 1911 von Leonora Sinaiberger gegründet wurde. Die Zweigstelle reichte beim mährischen Landtag gleich mehrere Petitionen für die Gewährung des aktiven Wahlrechts für Frauen ein und widmete sich auch intensiv anderen zivilrechtlichen Themen. Im Januar 1914 berief diese Brünner feministische Lobby eine Konferenz von Aktivistinnen aus Wien, Prag und Opava ein, auf der der Deutsch-Österreichische Verein für das Frauenwahlrecht gegründet wurde. Auf die Vielfalt und den Umfang der deutschen Frauenvereine wirkte sich weniger das Jahr 1918 aus – die meisten der genannten Vereinigungen waren hier auch in der Zwischenkriegszeit erfolgreich tätig –, als vielmehr das Jahr 1945, das mit der Vertreibung der deutschen Bevölkerung verbunden war. Daraus ergibt sich auch unser Wissen bzw. unsere Unkenntnis über die deutsche Frauenbewegung, deren Materialien in den heimischen Archiven in der Regel nur fragmentarisch oder gar nicht erhalten geblieben sind.
Hana Krutílková, Moravské zemské muzeum