Zdeněk Müller

Architekt/in

Das Lebenswerk des Architekten Zdeněk Müller ist eng mit der Stadt Brünn und vor allem mit dem Brünner Messegelände verknüpft. Er ist in Česká Třebová im Jahre 1935 geboren. Die Kindheit verbrachte er während des Zweiten Weltkriegs in Kuřim, wohin seine Eltern im Jahre 1937 umgesiedelt waren. Nach dem Krieg begann er am Gymnasium in Tišnov zu studieren und im Jahre 1952 wurde auf die Brünner Fakultät für Architektur aufgenommen, die er 1959 absolvierte. Während der Studien  begegnete er den Pädagogen Bohuslav Fuchs, Bedřich Rozehnal und Antonín Kurial. Unter seinen Lehrern war auch Ivan Ruller, mit welchem Zdeněk Müller lebenslang befreundet war.

Als beginnender Architekt arbeitete Müller kurzfristig im Brünner Unternehmen Stavoprojekt unter der Leitung der Architekten Otakar Oplatek und František Zounek. Dort beteiligte er sich u. a. an dem Projekt des Gebäudes der Staatsoper Brünn – des Janáček-Theaters. Im Jahre 1962 trat er in die Projektionsabteilung der Brünner Messen und Ausstellungen an, im Jahre 1974 wurde zum Hauptarchitekten des Brünner Messegeländes und in dieser Funktion war er bis 2000 tätig. Während seiner Karriere hatte er genügend Gelegenheiten, sich mit allen Aspekten des Ausstellungswesens bekannt zu machen. Er entwarf zahlreiche Ausstellungen und Messeexpositionen, projektierte einzelne Pavillons sowie die Infrastruktur des Messegeländes. Er widmete sich auch der urbanistischen Gestaltung der Messeareale und theoretischer Arbeit.

Das Außenhandelsunternehmen Brünner Messen und Ausstellungen hatte zur Zeit des Sozialismus in der Tschechoslowakischen sozialistischen Republik praktisch das Monopol auf die Realisation offizieller Vertretung auf Messen und Ausstellungen in der ganzen Welt. Zdeněk Müller konnte daher Expositionen u. a. in Wien, Zagreb, Mailand, Teheran oder Khartum  entwerfen. Ausstellungen in Tripolis und Santiago de Chile gewannen die goldene Medaille für das architektonische Design. Erfahrungen aus Weltausstellungen und Messen sowie die Kenntnis vieler ausländischer Messegelände verwertete er in urbanistischen Studien der Messeareale in Trenčín und Bratislava und vor allem im Rahmen seiner langjährigen Tätigkeit auf dem Brünner Messegelände.

In der Mitte der 70er Jahre, als er die Funktion des Hauptarchitekten des Messegeländes übernahm, wurde eine große Aufmerksamkeit den Fragen der Zukunft des Ausstellungswesens gewidmet. Auf dem Brünner Messegelände verliefen in den Jahren 1975 und 1978 zwei internationale Symposien zum Ausstellungswesen, an welchen Fachleute wie Zdeněk Lang, Václav Roštlapil, Josef Svoboda, Iloš Crhonek, Jan Rajlich, František Cubr und weitere teilnahmen. In dieser Atmosphäre entstand im Jahre 1977 der Gesamtplan des Messegeländes (Müller, Borková), nach welchem sich das Brünner Messeareal mehr als zwei Jahrzehnte lang entwickelte. In den 80er Jahren wurde nach dem Projekt von Architekt Müller das Messezentrum (heute Direktion der Brünner Messen und Ausstellungen), das Gebäude der Handelskammer und mehrere Firmenpavillons (Škoda, Vítkovice, Topham, Kandt, Melcher, Nordstahl) erbaut. Als Hauptarchitekt beteiligte sich Müller am Vorbereitungskonzept vieler Investitionsaktionen, die anschließend anderen Architekten anvertraut wurden. Er veranlasste die Rekonstruktion der Pavillons A (1979-81) und B (1984), den Aufbau des Systems unterirdischer Kollektoren für technische Netze und die Umsetzung der Passerellen – bedachter Verbindungskorridore zwischen den Pavillons, die für Besucher des Messegeländes bestimmt waren. Aus seiner Feder stammten Studien, die dem Aufbau des Hauses der Technik (1989), des Pavillons E (1989-90) oder der Rekonstruktion des Pavillons G (1994-96) vorangingen. Das letztgenannte Projekt  der Rekonstruktion des Pavillons G wird vor allem mit den Namen von Viktor und Martin Rudiš und Zdeňka Vydrová in Zusammenhang gestellt, die Autoren des architektonischen Designs waren. Ihr Projekt knüpfte jedoch auf das urbanistische Konzept von Zdeněk Müller und Jaromír Stříbrný, das im Referat des Hauptarchitekten der Brünner Messen und Ausstellungen erarbeitet worden war.

An der Wende der 80er und 90er Jahre betätigte sich Zdeněk Müller kurzfristig auch als Pädagoge  an der Brünner Fakultät für Architektur. In den 90er Jahren  fesselte seine ganze Aufmerksamkeit und schöpferische Energie der intensive Betrieb des Messegeländes  und dessen damit verknüpfte Bauentwicklung. Nach 2000 widmete er sich der Publikationstätigkeit. Die Baugeschichte des Messeareals bearbeitete er im Buch Brněnské výstaviště – stavba století (Das Brünner Messegelände – ein Bau des Jahrhunderts, 2002). Es folgte die Zusammenarbeit an dem Buch Bomby nad Brnem (Bomben über Brünn, 2005) und die Publikation Výstava soudobé kultury, Brno 1928 (Ausstellung der zeitgenössischen Kultur, Brünn 1928; 2008). Im Jahre 2017 beteiligte er sich gemeinsam mit Ivan Ruller an dem urbanistischen Wettbewerb, der nach neuen Anregungen für die Weiterentwicklung des Messeareals  suchte, und ihr Entwurf wurde in der zweiten Wettbewerbsrunde preisgekrönt. 

 

Architekt/in
Zdeněk Müller

Geburtsdatum
1935 Česká Třebová

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